Wert-Schätzung

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Bürgermeister Carsten Helfmann und der Leiter des Revisionsamtes im Kreis, Thomas Fiedler, vor Eppertshausens Haushalts-Aktenbergen.

Eppertshausen ‐ Papier ist geduldig. Doch mit der Umstellung des Rechnungswesens von der Kameralistik zur Doppik sind die Kommunen vor besondere Herausforderungen gestellt worden. Die Eröffnungsbilanz der Gemeinde Eppertshausen steht derzeit auf dem Prüfstand. Von Christina Schäfer

Mitarbeiter des Landkreises kontrollieren, ob mit dem Zahlenwerk alles seine Ordnung hat.

Seit Monaten türmen sich Ordner und Akten auf den Tischen der Revisoren im Rathaus am Franz-Gruber-Platz. Es geht in die Vergangenheit: Ganz obenauf liegt unter anderem die sogenannte Haushaltsüberwachungsliste aus dem Jahr 1985. Mit viel Geduld und Eifer machen sich die Revisoren Joachim Blank und Dirk Maurer an die Arbeit.

Eppertshausen hat zum 1. Januar 2008 auf die Doppik umgestellt. Die Kreisverwaltung sammelte bereits 2001 erste Erfahrungen mit der doppelten Buchführung und war als Pilotinstitution im Zuge eines hessischen Modellprojektes ganz vorne dabei. Nun gilt es für die Mitarbeiter des Revisionsamtes des Kreises Darmstadt-Dieburg, die kommunalen Eröffnungsbilanzen zu prüfen.

Das Verfahren der Doppik ist nicht neu

Ziel einer Eröffnungsbilanz sei es, die Vermögenslage in den Kommunen zu dokumentieren, erklärt der Leiter des Revisionsamtes des Landkreis Darmstadt-Dieburg, Thomas Fiedler. Dabei ist das Verfahren der Doppik nicht neu. Vielmehr handele es sich dabei um ein „einheitliches Rechnungswesen, abgeschaut von der Wirtschaft“, so Fiedler.

Neu für die Kommunen hingegen ist dies. Wurde vorher lediglich eine Buchung bei Neukauf vermerkt, müssen nun mindestens zwei her: Kauft die Gemeinde Eppertshausen beispielsweise einen neuen Rasenmäher, muss neben der Bezahlung des Kaufpreises auf dem Bankkonto auch der Wert des Rasenmähers in die Bilanz eingebucht werden. Als Abschreibung wird dann Jahr für Jahr der Wertverlust der Maschine gebucht und  so der Werteverzehr dargestellt.

Probleme bei der Eröffnungsbilanz bereitet auch die zeitliche Differenzierung. Beispiel: die Friedhofsgebühren. So beziehen sich die Gebühren für eine neue Grabstätte nicht nur auf das laufende Jahr, sondern auf die komplette Nutzungszeit von 30 Jahren. Ebenso müsse auch der Werteverzehr des vor drei Jahren gekauften Feuerwehrautos zeitlich abgegrenzt werden, erklärt Bürgermeister Carsten Helfmann, und rechnet vor: „300.000 Euro hat die Gemeinde bezahlt, 55.000 Euro kamen vom Land, beides muss jetzt auf 25 Jahre verteilt werden.“

Es musste punktuell nachgearbeitet werden

Die Bewertung des Vermögens hat die Eppertshäuser Verwaltung bereits nach den gesetzlichen Regeln für die Doppik vorgenommen. Dazu wurden unter anderem Gutachten der Versorgungskasse sowie von Hessen Forst angefordert, um die Werte zu beziffern und alles für die Eröffnungsbilanz zu dokumentieren. „Das war in vielen Fällen gar nicht so einfach“, sagt Helfmann. Mit der großen Bestandsaufnahme – Inventur in Rathaus, Bauhof und Kita - wurde bereits 2006 begonnen. „Wir waren uns damals aber noch nicht bewusst, wie wir dokumentieren sollen“, erklärt der Verwaltungschef. Nach ersten Absprachen mit Joachim Blank und Dirk Maurer musste punktuell nachgearbeitet werden.

Alleine 750 bis 800 Grundstücke sind im Vermögen der Gemeinde vorhanden, die Bewertung der bebauten Grundstücke sei dabei vergleichsweise einfach gewesen, sagt Revisor Joachim Blank. Auch das Rathaus, dessen Vorplatz, Sporthalle, Mehrzweckhalle und Kanäle müssen nun mit einem Wert versehen werden - genauso Straßen oder Brücken. Bevor die Doppik wirtschaftliche Erkenntnisse für die Verwaltung, Politik und Bürger liefern kann, steht nun erst einmal mehr als die doppelte Arbeit an.

Problem für die Gemeinden besteht vor allem im Spielraum

Einen Blick in die Geschichte muss die Gemeinde werfen, um das Vermögen zu bewerten: Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Gutachten, Rechnungen, versicherungswirtschaftliche Verfahren zur Berechnung. Das Problem: Viele Rechnungen existieren schon nicht mehr – trotz gutem Archiv. Allerdings gebe es auch dann geeignete Verfahren zur Bewertung und Prüfung, erklärt Thomas Fiedler und weist auf Ermessensspielräume hin. So können Straßen je nach Belag und Verkehrsdichte auf 20 oder 40 Jahre in der Bilanz abgeschrieben werden. „Wir haben festgelegt, für alle Straßen einen Abschreibungszeitraum von 40 Jahren anzusetzen“, so Helfmann. Viele Straßen seien sowieso gerade neu gemacht. „Das Problem für die Gemeinden besteht vor allem im Spielraum – die Kommunen sind trotz Doppik so nicht vergleichbar“, sagt der Rathauschef.

Dabei prüfen die Revisoren lediglich, ob die Bewertung der Gemeinde im Rahmen des Gesetzes liegt oder nicht – die kommunale Selbstverwaltung lässt Eppertshausen das letzte Wort. Bis zu den Sommerferien werden die Mitarbeiter der Kreisverwaltung noch tageweise vor Ort sein.

Die Eröffnungsbilanzen von 23 Kommunen und zahlreichen Zweckverbänden im Kreisgebiet müssen derzeit geprüft werden – Pfung-stadt und Messel sind bereits fertig. Eine große Herausforderung für die fünf Prüfteams des Revisionsamtes, das die Kommunen auf dem neuen Weg begleitet. Frühestens im September kann in den Eppertshäuser Gremien über die Eröffnungsbilanz beraten werden.

Quelle: op-online.de

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