Umzugshelfer für Schwarz-Gelb

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Das süße Marmeladebrötchen mag die Wespe erst, seit die Larven ausgeschlüpft sind und sie arbeitslos ist.

Eppertshausen - Seit fast 20 Jahren gibt es Wespenberater im Kreis. Dieses Jahr hatten sie noch nicht so viel um die Ohren. Die freie Zeit nutzen die Eppertshäuser Wespenbeauftragten, um ihre schwarz-gelbe Aufgabe zu erklären und wie sie Wespen oder Hornissen umsiedeln. Von Katharina Hempel

Als Biene Majas Stiefschwester könnte man sie bezeichnen, die Wespe. Sobald sie Süßes riecht, kommt sie angesurrt. Schwirrt unruhig um das Stück Kuchen oder das Limonadenglas. Umso unangenehmer, wenn sich Wespen ein Nest am Balkon oder am Dach gebaut haben.

In solchen Fällen helfen Michél Gahlbeck oder Andreas Bauer. Sie sind die Wespenberater der Gemeinde Eppertshausen. Sie kennen sich mit der Wespe aus und ihren gelb-schwarz geringelten Schwestern Hornisse, Hummel und Biene.

Wer glaubt, ein Nest dieser sogenannten Hautflügler in der Nähe seines Hauses entdeckt zu haben, kann sie anrufen und sich von ihnen beraten und helfen lassen. „Wenn es Probleme mit Wespen oder Hautflüglern im Allgemeinen gibt, dann rede ich erst mal mit den Anrufern über das Thema, lasse mir erklären, wo sich das Nest befindet, und kläre auf. Die meisten Probleme lösen sich, wenn ich den Leuten sage, dass die Tiere nur noch ein paar Monate leben und im Herbst dann absterben“, sagt Andreas Bauer.

Wespenberater nebenher

Hauptberuflich arbeitet er bei der Frankfurter Berufsfeuerwehr, Wespenberater ist er nebenher. Auch Michél Gahlbeck ist Feuerwehrmann, allerdings in Eppertshausen. Er kümmert sich hauptsächlich um die öffentlichen Einrichtungen, die ein Wespenproblem haben. Vor drei Jahren ließ sich Michél Gahlbeck zum Wespenbeauftragten fortbilden. „Das wurde von der Feuerwehr angeboten.“

Dieses Jahr hat er in Eppertshausen drei Wespennester entfernt. An Kindergärten und Spielplätzen. „Vergangenes Jahr hatte ich mehr Wespeneinsätze. Fünf oder sechs. Da waren sie aber auch aggressiver. Dieses Jahr waren sie bisher alle lieb zu mir“, erzählt er lachend. „Mit dem Eichen-Prozessionsspinner haben wir dieses Jahr mehr zu tun“, fügt Michél Gahlbeck hinzu.

Den ruhigen Sommer in Sachen Wespen kann Andreas Bauer bestätigen. „Dieses Jahr hatte ich nur zwei oder drei Anrufe. Letztes Jahr hingegen war ich zwischen 20- und 30-mal vor Ort. Das war das stärkste Jahr seit Langem. Das letzte Mal war es Anfang det 2000er-Jahre so extrem.“ In den meisten Fällen löst sich das Wespen- oder Hornissenproblem im Herbst von selbst. Kann nicht so lange gewartet werden, siedeln Andreas Bauer oder seine Beraterkollegen die Tiere um.

Ein Hornissennest im Kasten des Rolladen

Beispiel: ein Hornissennest im Kasten des Rolladen. Das würde Andreas Bauer umsiedeln, weil es einen zu großen Schaden gäbe. „Abgesehen davon, dass sie groß und laut sind, machen sie auch sehr viel Dreck. Wenn sie müssen, gehen sie in die unterste Wabenetage und lassen es einfach fallen. Das macht Flecken und fängt irgendwann an zu stinken. Sie nagen auch Pressspanplatten durch oder den Rolladengurt, wenn die ihnen im Weg sind beim Nestvergrößern.“

Eine Art Staubsauger kommt zum Einsatz. Der Wespenberater saugt die Flugtiere ab und „legt sie schlafen“. Das Nest packt er in eine Umsiedlungskiste, in die er später die noch betäubten Flieger dazu legt. Dann fährt er den Schwarm in der Kiste auf ein Wiesen- oder Waldgrundstück.

„Ich habe ein paar Aussiedlungsgebiete, wo ich sie hinbringe. Dafür habe ich die Genehmigung vom Eigentümer.“ Am neuen Wohnort der Hornissen angekommen, hängt Andreas Bauer die Kiste auf und schmiert Honig an das Ausflugloch. „Das beruhigt sie und sie können sich ihre neue Umgebung gut einprägen. Ohne den Honig kämen sie aggressiv aus dem Loch geschossen und würden es später nicht mehr wieder finden.“

Quelle: op-online.de

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