Dem Klima ohne Serviceeinbußen trotzen / Aber Kühlung tut Not

Wider die Hitze in Amtsstuben

Jugendpflegerin Stephanie Groh freut sich übers kühlende Kästchen an der Wand schräg hinter ihr.

Eppertshausen/Münster – Keine Angst, mit geänderten Öffnungszeiten der kommunalen Verwaltungen reagieren Münster und Eppertshausen nicht auf die brütende Hitze. Die Ämter-Besuchszeiten bleiben trotz stickig-schwüler Verhältnisse unangetastet. VON THOMAS MEIER

Doch einfach ist es in den Rathäusern derzeit wahrlich nicht. In beiden Kommunen wird nachgedacht und geplant, um für künftige Sahara-Perioden besser gewappnet zu sein. Einiges hat sich gar bereits getan, um gegen die in immer kürzeren Abständen zuschlagenden Hitzewellen gewappnet zu sein.

Darmstadt schaffte es bundesweit in die Schlagzeilen mit einer sicher für die meisten Menschen nachvollziehbaren Meldung. Die Heiner reagierten auf die bereits für gestern angekündigten hohen Temperaturen von fast 40 Grad. Statt ab 8 Uhr oder 8.30 Uhr sind Schalter und Amtsstuben bereits um 7 Uhr für die Bürger geöffnet. Dafür wurde auf die mittwochs übliche verlängerte Öffnungszeit bis 18 Uhr verzichtet – die Ämter hatten nur bis 13 Uhr geöffnet.

In Münster finden die langen Sprechstunden donnerstags weiterhin statt: „Die Verwaltung hat geöffnet wie gewohnt“, berichtet Maike Mittmeyer-Riehl, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, auf Nachfrage. Auch wenn die schon so oft seit über einem Jahrzehnt immer wieder verschobene energetische Sanierung des alten Hauses aus den 60er Jahren wieder einmal abgeplant wurde, muss es weitergehen. „Viele Mitarbeiter behelfen sich mit Ventilatoren“, sagt Mittmeyer-Riehl, es sei schon sehr warm in den Amtsstuben. Entlastung, was die Arbeitszeiten angeht, bekämen indes die Außendienstmitarbeiter, speziell der Bauhof. Dort könnten die Bediensteten schon um 6 Uhr mit ihrem Tagwerk beginnen und entsprechend früher Feierabend machen.

In Eppertshausens Rathaus – Mitte der 1980er Jahren gebaut – fühlt es sich nicht wesentlich kühler an in diesen Tagen. Wenn man nicht zu den privilegierten Mitarbeitern gehört, deren Anzahl sich glücklicherweise erst kürzlich vermehrte. Bis Anfang des Jahres waren einzig das Zimmer des Bürgermeisters, der kleine Besprechungsraum des Gemeindevorstands und der IT-Raum mit einer Klimaanlage ausgerüstet, jetzt wurde auch unterm Dach in den heißesten Amtsstuben nachgebessert. Und man denkt angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre weiter.

Bürgermeister Carsten Helfmann sagt, die Zimmer an der Nordseite des Hauses trotzten der Hitze noch am längsten, doch auch in ihnen surrten nun schon überall die Ventilatoren. „Vor allem der große Franz-Gruber-Platz macht uns zu schaffen“, sagt Helfmann. Er heize sich mit seiner großen, unbeschatteten Sand- und Kiesfläche schnell auf und gebe die Temperaturen dann gnadenlos an die umliegenden Gebäude und das Rathaus weiter.

Vor vier Jahren schlugen Experten bei einer anstehenden IT-Prüfung Alarm: Für den Serverraum müsse umgehend etwas getan werden, die Daten seien bei Hitze in Gefahr, verloren zu gehen. „Im Gemeindevorstand haben wir uns dann gesagt, es kann doch nicht sein, dass für digitale Daten in Blechkästen aufgerüstet werden muss, nicht aber für das Wissen in unseren Hirnskästen“, erinnert sich Helfmann.

Also wurden mit dem IT-Raum auch Sitzungs- und Chefzimmer mit Ausrichtung auf den Platz einer Kühlung unterzogen.

Nun aber brannte die Hütte unterm Dach – jedenfalls kamen sich die Mitarbeiter dort gegrillt vor. Dort waren früher Akten und Ähnliches gelagert, aber mit den neuen Mitarbeitern für die Sozialbetreuung Asyl sollten auch Mitarbeiter dort Domizil beziehen. Jetzt kam auch noch die Kinder- und Jugendförderung dort unter und man hatte nach dem heißen Vorjahr ein Einsehen: Anfang des Jahres wurden die Zimmer dort für 7000 Euro mit Klimageräten ausgestattet.

Mit der jährlichen Hitze wachsen verständliche Begehrlichkeiten. Bislang wurde eine Klimatisierung des großen Sitzungssaales im Rathaus verworfen, weil über die Sommerferien – und somit den meisten heißen Tagen – keine Treffen der Gemeindevertreter stattfinden. Doch weil es nicht nur debattenmäßig immer hitziger zugeht, ließ die Verwaltung nun prüfen, was eine Klimatisierung kosten würde. „Mit 15 000 Euro wären wir dabei“, sagt Helfmann. Bevor man aber wieder nur Stückwerk angehe, wolle er nun – mit Segen des Parlamentes – eruieren lassen, ob nicht eine Klimatisierung fürs gesamte Verwaltungsgebäude ins Kalkül zu ziehe wäre.

Quelle: op-online.de

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