Wirtschaft

Eppertshausen: Steuereinbruch durch Corona verläuft moderat

Drei der fünf größten Gewerbesteuer-Zahler Eppertshausen sitzen im „Park45“. Das Quintett, das jährlich jeweils einen sechsstelligen Betrag abführt, zahlt bisher auch in der Corona-Zeit unverändert weiter. 
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Drei der fünf größten Gewerbesteuer-Zahler Eppertshausen sitzen im „Park45“. Das Quintett, das jährlich jeweils einen sechsstelligen Betrag abführt, zahlt bisher auch in der Corona-Zeit unverändert weiter. 

Der Steuereinbruch durch Corona verläuft in Eppertshausen bisher moderat: Die fünf größten Gewerbesteuer-Zahler überweisen unverändert. 45 von 147 Firmen haben reduziert. 

Eppertshausen – Wie heftig treffen das Corona-Virus und seine wirtschaftlichen Auswirkungen die Städte und Gemeinden? Für Eppertshausen lässt sich nach etwas mehr als drei Krisenmonaten festhalten: Der Steuereinbruch fällt moderat aus. Das legen jedenfalls die Zahlen nahe, mit denen Bürgermeister Carsten Helfmann (CDU) die bisherigen Veränderungen vor allem bei der Gewerbesteuer konkretisiert.

Anfang April, als die Pandemie auch Deutschland voll erwischte hatte und deutlicher wurde, dass sie auch Spuren in den kommunalen Haushalten hinterlassen würde, zückte man im Eppertshäuser Rathaus den Taschenrechner. „Die Verwaltung hat Worst-Case-Szenarien für die Entwicklung der Gewerbesteuer, der Einkommenssteuer und der Vergnügungssteuer erstellt“, blickt Helfmann zurück. Für diesen schlimmsten Fall nahm man bei Gewerbe- und Vergnügungssteuer einen Rückgang um je 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau an und bei der Einkommenssteuer einen um 30 Prozent. Horrorzahlen, so viel vorab, zu denen es nahezu sicher nicht kommen wird.

In absoluten Zahlen hießen die Annahmen: Statt der im Gemeinde-Etat für 2020 erwarteten Vergnügungssteuer in Höhe von 240 000 Euro würden die abführenden Spielhallen – fünf Konzessionen hat die Gemeinde vergeben – nur 120 000 Euro bezahlen. Wesentlich dramatischer wären aber das Minus von 30 Prozent bei der Einkommenssteuer: Statt 4,2 Millionen Euro flössen dann nur 2,94 Millionen, also fast 1,3 Millionen Euro weniger. Die Einkommenssteuer ist die wichtigste Einnahmequelle Eppertshausens.

Auf dem Vormarsch, aber noch nicht in der Sphäre der Einkommenssteuer angelangt, ist in Eppertshausen die Gewerbesteuer. Hier stehen für dieses Jahr 2,85 Millionen Euro im Plan. Ein Plan, der gemacht wurde, als man die Pandemie noch nicht erahnte und von einer leicht wachsende deutschen Wirtschaft ausging. Ein 50-prozentiges Minus bei diesem Posten würde 1,4 Millionen Euro weniger für den Gemeindesäckel bedeuten. Träten bei allen drei genannten Steuern die Worst-Case-Szenarien ein, würde Eppertshausen in diesem Jahr 2,8 Millionen Euro weniger vereinnahmen.

Dass das weit von der momentanen Realität entfernt ist, zeigen vor allem die tatsächlichen Werte bei der Gewerbesteuer. Zwar haben 45 von 147 gewerbesteuerpflichtigen Eppertshäuser Unternehmen ihre Zahlungen reduziert, dies in der Regel für alle Quartale bis Jahresende. Die fünf größten Gewerbesteuer-Zahler der Gemeinde, die jährlich jeweils Gewerbesteuer im sechsstelligen Bereich abführen und von denen drei im Park 45 angesiedelt sind, zahlen bislang aber in unveränderter Höhe weiter.

Unter jenen, die weniger zahlen als veranschlagt – oft ob der eigenen Liquidität wegen –, belaufen sich die Reduzierungen auf Beträge zwischen 39 Euro und 43 000 Euro. „Insgesamt wurden Gewerbesteuer-Zahlungen an uns für dieses Jahr bisher um einen Gesamtbetrag von 411 000 Euro reduziert“, so Helfmann. Kommen keine weiteren Reduzierungen hinzu – und fürs Erste scheint das Allerschlimmste vorüber, zieht die Wirtschaft zumindest teilweise langsam wieder an –, nähme Eppertshausen 2020 also 14 Prozent weniger Gewerbesteuer ein als vor Corona kalkuliert. Zum Vergleich: Das Hessische Finanzministerium rechnet mit einem durchschnittlichen Minus der Kommunen bei der Gewerbesteuer von 24 Prozent.

Weitere relativ gute Nachricht für Eppertshausen und die Gemeindefinanzen: Helfmann kalkuliert bei der Einkommenssteuer mittlerweile eher mit einem Einbruch von zehn Prozent, verursacht etwa durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit von Eppertshäuser Arbeitnehmern oder Freiberuflern. „All das tut uns weh, ist aber noch überschaubar“, resümiert er. Und sagt mit Blick auf die 7,2 Millionen Euro Rücklagen der Gemeinde: „Wir könnten uns da selbst rausretten.“

Zwar will Eppertshausen vom Ersparten eigentlich investieren, perspektivisch zum Beispiel in eine dritte Kita und allein in diesem Jahr 1,75 Millionen in Gehwege, die im Zuge der Glasfaser-Verlegung an vielen Stellen im Ort erneuert werden sollen. Einiges werde man jedoch nicht wie geplant ausgeben können, so Helfmann. Beispielsweise sind die Aufträge für die Gehwege noch nicht ausgeschrieben, weil die Deutsche Glasfaser mit ihrem Part noch nicht so weit ist. Frühestens im Spätherbst könnte ein Teil des Gelds noch verbaut werden.

Darüber hinaus hofft der Bürgermeister auf anderweitige finanzielle Spielräume. Noch ist nicht absehbar, inwiefern Eppertshausen von Bundes- und Landesmitteln gestützt werden wird oder was mit der Schul- und Kreisumlage als großem Ausgabeposten im kommunalen Haushalt geschehen wird. Die Krux bei diesen Umlagen: „Die zahlen wir rückwirkend, aktuell auf Basis der Steuereinnahmen des vierten Quartals 2018 und des ersten Quartals 2019.“ Mitten in der Krise muss die Gemeinde dem Landkreis Darmstadt-Dieburg also Beträge überweisen, die auf Zahlen einer wirtschaftlichen Boomphase basieren. Im Umkehrschluss würde Eppertshausen in ein bis zwei Jahren zwar Umlagen berappen, die auf den jetzigen schwachen Einnahmen beruhen. Allerdings muss auch der Landkreis seinen Haushalt finanzieren und könnte an den Hebesätzen drehen, wie Kreistags-Mitglied Helfmann weiß.

(Jens Dörr)

Quelle: op-online.de

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