Prominenter Vorleser

Wirtschaftsminister Al-Wazir liest persische Geschichte

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Lektüre mit dem Minister: Tarek Al-Wazir las gestern in der Eppertshäuser Kita St. Sebastian vor.

Eppertshausen - Großer Bahnhof bei den Kleinen in der Kita St. Sebastian: Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir nimmt sich eine Stunde Zeit für junge Eppertshäuser und muss dann weiter nach Berlin.

Hessens grüner Ober-Politiker ist in diesen Tagen und Wochen noch ein bisschen stärker gefragt als sonst. Immerhin weiß Hessens Wirtschaftsminister aus der eigenen Landesregierung, wie man relativ ungewöhnliche politische Bündnisse schmiedet. Al-Wazirs Grüne regieren hierzulande schließlich mit der CDU, womit beide Seiten nicht besonders unzufrieden wirken. In Berlin beschnuppern sich Grüne und CDU derzeit bekanntlich mit CSU und FDP, um einer Koalition auf Bundesebene näherzukommen. In eben jene Hauptstadt reisen musste wegen der letzten Sondierungsgespräche am Freitag auch Al-Wazir. Zuvor nahm er sich allerdings eine Stunde Zeit, um zwölf Jungen und Mädchen der Kita des Katholischen Familienzentrums St. Sebastian etwas vorzulesen.

Anlass war der bundesweite „Vorlesetag“ am Freitag, dem etwa die benachbarte Stephan-Gruber-Grundschule eine ganze Vorlesewoche gewidmet und diese gestern Nachmittag mit Präsentationen abgeschlossen hatte. In der Kita begrüßten einige Kids den Minister mit einem Lied. Dann ließ er sich in einer Leseecke im Obergeschoss von einem Dutzend Kinder – die Teilnahme von mehr wäre wohl zu unruhig geworden, weshalb das 23-köpfige Team um Leiterin Gerlinde Ries-Schemainda die Zahl begrenzt hatte – auf dem Boden umringen und legte los.

Zum Vorlesen mitgebracht hatte Al-Wazir das Buch „Ein großer Freund“ von Babak Saberi und Mehrdad Zaeri, wobei er naturgemäß nicht Seite für Seite vorankam: Zu viele neugierige Zwischenfragen prasselten auf ihn ein, auch die Fotos musste er immer wieder zeigen. Wie der Wirtschaftsminister machten es am Freitag rund 20 weitere Mitglieder der Hessischen Landesregierung, die am „Vorlesetag“ bereits seit zwölf Jahren in hessische Einrichtungen ausschwärmen. „Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, können sich besser konzentrieren und ausdrücken“, betonte der Minister. „Lesen macht Kinder stark. Es unterstützt die Entwicklung von Selbstständigkeit und eigenem Urteilsvermögen; beste Voraussetzungen auf dem Weg zum mündigen Bürger“, so Al-Wazir.

Deshalb seien Sprach- und Leseförderung auch zentrale Bestandteile im Bildungsauftrag der hessischen Kinderbetreuungs-Einrichtungen und Schulen. Sie stünden auch im Zentrum des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder bis zehn Jahre. St. Sebastian werde dem Auftrag Woche für Woche gerecht, wie am Freitag Elvira Emig-Becker, eine Eppertshäuser Lesepatin, erläuterte. Sie liest, neben einigen anderen Aktivitäten, in der Kita ehrenamtlich vor, tauscht sich mit den Kindern auch über das Gelesene aus. „Mir geht es darum, dass die Kinder zum Schluss den Inhalt verstanden haben.“ Auch wichtige Erkenntnisse für das alltägliche Miteinander ließen sich aus vielen Werken ableiten. Büchermäßig sie die Kita St. Sebastian „sehr gut bestückt“, sagte Emig-Becker.

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Leiterin Ries-Schemainda freute sich derweil über den bisher höchsten Besuch im Familienzentrum. Ende der 70er sei mal ein Bischof da gewesen, Tarek Al-Wazir war aber der prominenteste Gast seit langer Zeit. Der Runde aus Minister und Eppertshäuser Kinder – 29 der insgesamt 135 in der Kita kommen im nächsten Jahr in die Schule –statteten auch Pfarrer Harald Christian Röper und Bürgermeister Carsten Helfmann einen Besuch ab. Dass Al-Wazir ausgerechnet nach Eppertshausen kam, hing nach der Anfrage durch das Land beim Kreis mit einem entsprechenden Vorschlag des Jugendamts zusammen. (jd)

Quelle: op-online.de

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