Interkommunales Wirken von Münster und Eppertshausen gegen Arbeitslosigkeit

Wohnortnah arbeiten

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Sven Gaudeck von der Firma Habasit und Johannes Fäth von der Schreinerei Fäth (von links) gaben Tipps, worauf Personalmanager bei der Bewerbung besonders achten.

Eppertshausen/Münster - „Eigentlich klingt der Begriff Netzwerk fast ein bisschen abgegriffen. Aber gerade bei der Eingliederung von Langzeitarbeitslosen sind Netzwerke besonders wichtig“, weiß Ute Thiesen von der Kreisagentur für Beschäftigung. Von Michael Just

Mit dem Arbeitsmarktprojekt „Ich lebe und arbeite in...“ versucht der Kreis, solche Netzwerke zwischen Jobcenter, Arbeitslosengeld-2-Empfängern, den Kommunen und lokalen Firmen direkt im Wohnort der Arbeitsplatzsuchenden aufzubauen. „Gemeinsam mehr erreichen“ heißt das Motto. Ein wichtiges Ziel ist dabei, im kleinen Kreis und mit „Mund-zu-Mund-Propaganda“ zum neuen Arbeitsplatz zu kommen.

Von März bis November 2013 wird das Projekt nun auch in Eppertshausen und Münster umgesetzt. Am Donnerstagmorgen lud Projektleiterin Ute Thiesen zu einem Treffen mit vier Personalmanagern von Unternehmen und Betrieben aus der Gegend ins Eppertshäuser Rathaus ein. Darunter waren aus Dieburg die Volkswagen Original Teile Logistik (OTLG) sowie aus Eppertshausen die Firmen Habasit, die Hwf-Werkzeugbau und die Schreinerei Fäth.

Als übergeordnetes Ziel stand, dass die Personalmanager den Langzeitarbeitslosen Informationen aus erster Hand geben, etwa, wie für einen Personalchef eine ideale Bewerbung aussieht oder wie für eine Einstellung überzeugend wirken kann. Der Runde schlossen sich sowohl die stellvertretende Landrätin, Rosemarie Lück, sowie die Bürgermeister aus Münster und Eppertshausen, Walter Blank und Carsten Helfmann, an.

„Ich lebe und arbeite in...“

Das Regionalprojekt „Ich lebe und arbeite in...“ läuft bereits seit 2009. Bisher fand es äußerst erfolgreich in acht Kommunen, darunter in Babenhausen, Messel, Dieburg und Groß-Zimmern, statt. Das Land Hessen hat deshalb nun neue Fördergelder bereitgestellt.

Seit März 2013 nehmen nun auch Münster und Eppertshausen am Projekt teil. Von den Fallmanagern des Jobcenters wurden dafür 56 passende Personen ausgesucht. In zwei Gruppen aufgeteilt, treffen die sich jeden Donnerstagmorgen in den Sitzungszimmern der Rathäuser in Münster und Eppertshausen. Dort steht nicht nur ein Bewerbertraining an: „Es gibt auch Vorträge zum Thema Gesundheit oder wie man einen Umzug oder die Kinderbetreuung organisiert“, erzählt Thiesen. So seien immer wieder Alltagsthemen Gegenstand des Projekts. „Wir arbeiten hier schließlich mit Menschen“, hebt sie heraus.

Die erzielten Erfolge lassen sich daran erkennen, dass die Gruppe schon fast um die Hälfte geschrumpft ist. Jene Frauen und Männer haben das Projekt nicht etwa hingeschmissen, sondern stehen mittlerweile wieder in Lohn und Brot. Einige arbeiten in Teilzeit, andere haben sich sogar selbstständig gemacht. Bei zehn Personen wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass sie keine staatlichen Leistungen mehr bekommen müssen.

Zusammenarbeit mit der OTLG in Dieburg

Auch die Teilnehmer, die noch nicht vermittelt sind, führen an, dass ihnen das Projekt, trotz anfänglicher Skepsis, etwas gebracht hat. „Es ist informativ, dazu kommt man an aktuelle Neuigkeiten heran“, sagen sie. „Oft kann man auch nur mal reden“, fügt eine Frau ein. Ein anderer Teilnehmer bekennt, neues Selbstbewusstsein getankt zu haben: „Man wird als Person und Persönlichkeit anerkannt.“

Die Zusammenarbeit mit der OTLG in Dieburg erweist sich als besonders erfolgreich. Hier fanden bereits sechs Projektteilnehmer einen neuen Job im sogenannten „gewerblichen Bereich“. Das ist meist Arbeit im Lager.

Laut Andreas Breid von Volkswagen hat man mit den Probanden des Kreisprojekts hervorragende Erfahrungen gemacht. Wie Breid eingesteht, sei es natürlich schwieriger, im kaufmännischen Bereich unterzukommen. Überhaupt sei für die freien Stellen vorwiegend Fachpersonal gefragt. Für einige der Langzeitarbeitslosen, die aus dem ungelernten Helfer- oder dem kaufmännischen Bereich kommen, macht das die Situation nicht einfacher. Aber auch hier konnte Breid Mut machen: „Auch ohne Fachkenntnis: Eine langjährige Berufserfahrung und dass man weiß, was man will, kann auch zum Erfolg führen.“

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Auch wenn die Langzeitarbeitslosen wohl schon unzählige Tipps in den vergangenen Monaten für die ideale Bewerbung aufgeschrieben haben, hatten die Personalmanager mit ihren Ratschlägen noch den einen oder anderen Aha-Effekt parat. „Selbstvertrauen ist wichtig. Seien Sie ganz Sie selbst, verstellen Sie sich nicht und seien Sie ehrlich mit Ihren Fähigkeiten“, lautet einer der Ratschläge. Irgendwas auswendig lernen bringe gar nichts. Wenn Wahrheiten irgendwann rauskämen und dann die Trennung erfolge, sei keinem geholfen. Ebenfalls wichtig: Personalleiter würden weniger nach Zeugnissen schauen, als danach, dass die Arbeit zum Typ passt. Dazu sollte man anführen, was einen für die Stelle befähigt und positive Attribute, wie etwa „flexibel“, nicht einfach als Floskel runterschreiben, sondern auf die eigene Person begründen. Auch ein Herziehen über die alte Firma sei tabu. Dennoch gebe es auch Unterschiede: Während Markus Fischer von Hwf-Werkzeugbau wert auf Online-Bewerbungen legt, ist es für Johannes Fäth nicht unerheblich, die Bewerbung selbst vorbeizubringen, um gleich den ersten Eindruck zu bekommen.

In einem Punkt waren sich dann alle Personalmanager aber wieder einig: Egal wie der erste Eindruck zustande kommt – dieser zählt und ist in der Regel auch unverrückbar.

Quelle: op-online.de

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