Zugeschaut für besseres Lernen

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Interessiert schauten sich Kinder und Eltern der Kita St.Sebastian an, was filmisch zu dem Projekt „Bildungs- und Lerngeschichten“ festgehalten wurde. Leiterin Gerlinde Ries-Schemainda (rechts) holte das bundesweite Wissenschafts-Vorhaben nach Eppertshausen.

Eppertshausen - Klein Lina schaut sich am Sandkasten an der Kindertagesstätte St. Sebastian genau ihre Spielkameraden an und merkt nicht, dass sie selbst beobachtet wird - von ihrer Erzieherin. Von Thomas Meier

Und die schaut nicht nur, sie notiert sich auch Linas Verhalten, schreibt ihr gar später einen Brief: „Du findest es aufregend, Deine Kameraden zu beobachten und strengst Dich sehr an, alles genau zu sehen. Einmal hast du ganz lange zugeschaut, wie die Kinder Sandkuchen gebacken haben und dich dann sehr gefreut, als sie fertig waren.“ Lina staunt - genau so war es. Und sie freut sich, soviel Aufmerksamkeit zu erfahren.

St. Sebastian war vom 1. Februar 2007 bis Mitte diesen Jahres als eine von vier Kindertagesstätten bundesweit in das Projekt „Bildungs- und Lerngeschichten“ eingebunden, initiiert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Kita-Leiterin Gerlinde Ries-Schemainda bewarb sich um das Forschungsprojekt, das mit interessanten Ergebnissen aufwartete. Sie wurden beteiligten Eltern und Kindern in einem einstündigen Film präsentiert.

„Es geht auch noch weiterhin darum, den Kindern so unvoreingenommen wie möglich zuzuhören und zuzuschauen, wie sie lernen“, sagt die Kita-Chefin, denn das Erfolgsmodell soll intern fortgeführt werden. Ziel der angewandten Methode ist, das Verständnis für den Sinn, den das Kind mit seinen Handlungen verbindet, zu fördern. Das Verfahren ist darauf ausgelegt, die zukünftigen Bedürfnisse der Kinder zu sehen und Fördermaßnahmen zu entwickeln.

Der Blick ist auf den Lernprozess gerichtet. Es geht nicht darum was die Kinder lernen, sondern wie sie lernen“, verdeutlicht Ries-Schemainda, und Erzieherin Claudia Roth sagt: „Wir schauen nach den Stärken der Kinder und fördern diese, Schwächen werden angegangen.

Lernerfolge in der Praxis galt es aufzuspüren, und da verzeichneten die 16 Erzieherinnen bei ihren 133 Kindern in den sechs Gruppen viele. Dabei stand nicht mehr nur die Frage im Vordergrund, ob Kinder über konkrete Fertigkeiten verfügen, die sie ihrem jeweiligen Alter entsprechend beherrschen sollten, wie beispielsweise mit der Schere zu schneiden, Figuren auszumalen, zählen oder Buchstaben erkennen. Vielmehr geht es darum, einen Blick hinter diese Fähigkeiten zu werfen und allgemeinere Kompetenzen zu erfassen, die eine grundlegende Voraussetzung für die Handlungsmöglichkeiten der Kinder sind.

Das Ganze wird in Geschichten verpackt, die durch die Beobachtung der Kinder in alltäglichen Situationen entstehen. Mit Hilfe der Bildungs- und Lerngeschichten tauschen sich die Erzieherinnen mit den Kindern und deren Eltern aus, was dazu beiträgt, dass die Stärken und Schwächen der Kinder früher verstanden und Lernprozesse so in Gang gesetzt werden können. Die Momentaufnahme aus dem Leben eines Kindes wird genau reflektiert, Lernstrategien daran ausgerichtet.

Der in der Kita gezeigte Film von Kurt Gerbig demonstrierte, wie in den vier Einrichtungen gearbeitet wurde. Und in Eppertshausen gab es immer wieder „schaut mal“-Rufe, wenn Erzieherinnen oder Kinder von St. Sebastian im Bild erschienen. Zahlreiche Teamdiskussionen und Begebenheiten aus der Kita flossen in den Dokumentarstreifen ein.

Die Eltern waren voll des Lobes über das Projekt, das wissenschaftlich fundiert Grundlagen vermittelt, die das Lernen der Kinder fördern. Gekommen waren auch einige „Ehemalige“ der Kita, die sehen wollten, wie sich ein Projekt weiterentwickelt, an dem sie maßgeblich beteiligt waren.

Quelle: op-online.de

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