Erdmännnchen, Biber, Uhus und Co.

„Ich male das, was ich kenne: Tiere, vor allem Katzen, Gegenstände, die ich um mich habe, und Landschaften, die ich sehe, wenn ich aus dem Fenster gucke. Doch wenn ich male, merke ich, wie vieldeutig und befremdlich alle diese vertrauten Sachen sein können. Von Maren Cornils

Und eigentlich ist es diese Erfahrung, die das Thema meiner Malerei ist.“ Das schrieb Almut Gernhardt. Wer an ihren kleinformatigen Bildern vorbeigeht, sieht verspielte Kätzchen, verlassene Landschaften und Obst-Stillleben. Doch wer sich Zeit nimmt für die Kabinettausstellung mit Werken der ersten Frau des Dichters Robert Gernhardt im Frankfurter Holzhausenschlösschen – der versteht, was die 1989 verstorbene Malerin antrieb. Verstehen steht im Vordergrund bei der Schau „Was für ein Tag“.

Exponate von 25 Leihgebern hat Kuratorin Aino Kelle zusammengetragen. Zu sehen sind 40 kleinformatige Gemälde, meist Öl auf Leinwand, aber auch Figuren aus der Salzstreuersammlung des Paars, Fotos und Texte, die Gernhardt zu den Bildern verfasste. Auszüge aus Kinderbüchern des Ehepaars – „Ich höre was, was du nicht siehst“ erschien 1975, „Der Weg durch die Wand“ erhielt 1983 den Deutschen Jugendbuchpreis – finden sich ebenso wie knackig-kurze, herrlich absurde Gedichte.

„Was für ein Tag“, Gemälde und Texte von Almut und Robert Gernhardt. Bis 27. Juni im Holzhausen schlösschen, Justinianstraße 5, Frankfurt. Geöffnet Montag, Mittwoch, Donnerstag, 10 bis 16 Uhr

Den Löwenanteil der liebevoll zusammengetragenen Sammlung machen Bilder aus, auf denen sich Bären, Kühe, Hunde, Katzen tummeln. Fast gleichgültig fixieren sie den Betrachter, ziehen ihn ins Bild und zwingen ihn, die Perspektive zu wechseln, scheinbar Vertrautes neu zu sehen. An Federn aus dem Kinderbuch „Feder Franz sucht Feder Frieda“ mangelt es nicht. In Kombination mit Enten, Uhus oder Echsen sind sie Mittelpunkt einer 16 Bilder umfassenden Sammlung. Für Schmunzeln sorgen die eine Behausung suchende Erdmännchenfamilie und der gefräßige Biber Bertold. Deutlich wird, wie gut sich das Ehepaar in kreativer Partnerschaft ergänzte.

Zur Eröffnung kam einer, der beiden eng verbunden war: Autor Harry Rowohlt. Mit einer für seine Verhältnisse kurzen, stellenweise wehmütigen, gewohnt pointierten Ansprache erinnerte er an den Wortwitz Roberts sowie den Charme Almuts. Um sich dann, begleitet von Seitenhieben auf Star architekt Ieoh Ming Pei, an der nicht ganz ernst gemeinten Interpretation des Bilds „Die Katze mit dem Vorhang“ zu versuchen ...

Quelle: op-online.de

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