Der Erfinder der Elche

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Frankfurt - Das Caricatura Museum widmet dem Humoristen F.W. Bernstein zu seinem 75 Geburtstag eine eigene Ausstellung. Von Christian Riethmüller

Auf einer Autofahrt von Paris nach Frankfurt schrieb der Schwabe Fritz Weigle deutsche Sprachgeschichte. Das wusste er damals - es war das Jahr 1965 - allerdings nicht sofort.

Gemeinsam mit seinen Mitreisenden Robert Gernhardt und F. K. Waechter ersann Weigle sogenannte „Tierzeiler“, also Vierzeiler mit Tieren als Thema. Darunter war auch Weigles Reim „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ - zwar nur ein Zweizeiler, doch einer mit langanhaltender Wirkung. Heute längst ein geflügeltes Wort, gab er der den Humoristen der Neuen Frankfurter Schule ihr Motto und ihr Wappentier.

Mit dem Elch schmückt sich auch das caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt, zu dessen fünf Säulenheiligen neben Gernhardt, Waechter, Hans Traxler und Chlodwig Poth eben auch Weigle, besser bekannt unter seinem Künstlernamen F.W. Bernstein, gehört. Sein reichhaltiges zeichnerisches Werk gehört zum Bestand des Museums, das eine wechselnde Auswahl von Bernsteins Arbeiten in seiner Dauerausstellung präsentiert.

Bernsteins Schaffen im ganzen Caricatura

Vergangene Woche - am 4. März - ist der in Göppingen geborene Bernstein 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass bereitet ihm das Caricatura nun nahezu das ganze Haus und zeigt auf allen Ebenen Bernsteins Schaffen, oder besser, eine Auslese dessen. Denn Bernstein war nicht nur Mitarbeiter des Satiremagazins „Pardon“, einer der Köpfe hinter der Nonsens-Beilage „Welt im Spiegel“, Mitbegründer der „Titanic“, Buchautor und Illustrator, sondern eben auch der einzige aus der legendären „Elch-Runde“, aus dem was „Ordentliches“ wurde - erst Lehrer und schließlich Professor für Karikatur und Bildgeschichte an der Hochschule der Künste Berlin.

Diese bürgerliche Karriere wird in der Ausstellung mit einer Stadtansicht Berlins angedeutet, die Bernstein tatsächlich ohne Humorabsicht gezeichnet hat. Ansonsten dominiert in der Schau das komische Werk, das im Vergleich mit den anderen Protagonisten der Neuen Frankfurter Schule sperriger und weniger zugänglich wirken mag, doch manchmal gerade wegen seiner Rätselhaftigkeit begeistert.

Über 500 Objekte zu sehen

Zu sehen sind über 500 Objekte, darunter besonders betrachtenswert die große Zahl gezeichneter Postkarten, die Bernstein auch im digitalen Zeitalter als Kommunikationsmittel nutzt. Des Zeichners bemerkenswerte Vielseitigkeit in Stil und Material dokumentieren nicht nur Arbeiten auf Papier, Pappe oder Pressspan, sondern auch ein knappes Dutzend bemalter Badematten an den Wänden. Goethe-Liebehaber und Fans der Frankfurter Eintracht werden sich gleichermaßen an der Bilderserie erfreuen, die den Dichterfürsten im Adler-Trikot zeigt, wie auch die Reihe „Hesseköpp“ manche Berühmtheit vom Main in schillernden Farben zeichnet.

 „F.W. Bernstein. Zeichenzausels Werkschau“ ist bis 7. Juli im Caricatura Museum, Weckmarkt 17, in Frankfurt zu sehen.

Quelle: op-online.de

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