Installationen im Palmengarten

Erlebnisse im Raum

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„Penetrável“ nannte Oticica seine begehbaren Pavillons, sie sind Vorboten der Retrospektive im Museum für Moderne Kunst.

Frankfurt - Ein Käfig in Form eines Würfels, bunt gestrichene Gitter, das Tor steht offen. Ein Pärchen traut sich hinein, plötzlich wird von außen das Tor geschlossen. Ein kurzes Raunen geht durch die ringsherum stehende Menge. Von Clemens Dörrenberg

Die beiden mutigen Besucher haben den „Penetrável“ von Hélio Oiticica (1937-1980) betreten. Er ist der kleinste von drei Pavillons, die nach den Vorgaben des brasilianischen Künstlers im Frankfurter Palmengarten rekonstruiert wurden. Auf Sand gebaut, steht er etwas versteckt an der Seite des Palmenhauses, Grünpflanzen blühen am Rand des Käfigs.

„Penetrável ist abgeleitet von dem Wort penetrar: eindringen, durchdringen“, sagt Peter Gorschlüter, stellvertretender Leiter des Museums für Moderne Kunst, das ab Ende September eine Retrospektive Oiticicas zeigen wird. Der Palmengarten als Teil der Ausstellung sei ideal als „Schutzraum“ geeignet, um sich auf die Kunstwerke Oiticicas „einzulassen und in sie einzudringen.

Der Mitbegründer der „Tropicália-Bewegung“ begann in den 1960er Jahren seine Kunst in den dreidimensionalen Raum zu erweitern. Nach ersten abstrakten Malereien wollte er Farbe und Formen von der Leinwand befreien, schuf im Raum schwebende Reliefs und begehbare Rauminstallationen, die „Penetráveis“. Zur gleichen Zeit wie Joseph Beuys in Deutschland wollte Oiticica die Kunst für die Gesellschaft und die Gesellschaft für die Kunst öffnen.

Nach Fertigstellung betrachtete er seine Werke nicht als abgeschlossen. „Sie sollten von den Gedanken und Gefühlen des Betrachters weiterentwickelt werden“, sagt Yanna Varbanova aus Sofia, die im Masterstudiengang „Curatorial Studies“ an der Goethe-Uni und der Städelschule studiert. Sie hat mit ihren Kommilitonen zwölf internationale Künstler und Künstlergruppen ausgewählt, die den „Penetrável PN 14“ bei einem Begleitprogramm aus Musik, Tanz und Performance lebendig werden lassen. Im Sinne Oiticicas sollen seine Pavillons „Erlebnisräume“ darstellen, in denen die „Betrachter mit dem Kunstwerk verschmelzen“, so die 30-Jährige. Neben dem festen Programm wird es auch spontane Auftritte geben. Die Künstlergruppe „Blauschatten“ wird, ungeplant für Besucher des Palmengartens, in Oiticicas Kunstwerken intervenieren. So wird es beispielsweise ein Picknick in einem der Pavillons geben. Es lohnt sich also, beim nächsten Palmengartenbesuch die Augen offen zu halten.

‹ Hélio Oiticicas Installationen im Frankfurter Palmengarten, Siesmayerstraße 61-30, sind bis 27. Oktober täglich von 9 bis 19 Uhr zu sehen, die Retrospektive „Hélio Oiticica. Das große Labyrinth“ vom 28. September bis 12. Januar 2014 im Museum für Moderne Kunst.

Quelle: op-online.de

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