Erwin Pelzig

Gnadenlose Botschaften

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Trachtenjanker, Cordhut und Herrenhandtasche: Frank-Markus Barwasser pflegt ein Politkabarett in bester Tradition.

Offenbach - Er kommt so, wie man ihn kennt: Mit Männerhandtäschchen und Cord-Seppelhut und im bayerischen Trachtenjanker. Doch vom biederen Aussehen eines Erwin Pelzig sollte sich keiner täuschen lassen. Von Maren Cornils

Schließlich ist die von Frank-Markus Barwasser geschaffene Kunstfigur aus der tiefsten fränkischen Provinz, alles andere als ein naives Landei und versteht es bestens, den Finger genau dort in die Wunde zu legen, wo es besonders schmerzt. Auch in seinem neuen Programm „Pelzig stellt sich“, mit dem er im Capitol Offenbach gastiert, zielt er mit scharfer Munition auf politische und gesellschaftliche Missstände.

Zunächst aber klärt er sein Publikum darüber auf, was unter „kognitiver Dissonanz“ zu verstehen ist und warum alle Menschen gelegentlich darunter leiden. „Wie schafft man es, sein Leben derart falsch einzuschätzen, dass daraus ein Lebenswerk wird“, fragt der Kabarettist mit spöttischem Lächeln, um sofort anzufügen, „darüber würde ich gern mal mit Lothar Matthäus sprechen.“ Auch in Evolution und Politik geht es, glaubt Pelzig nur um eines: das Blenden.

Überhaupt, die Politik – ob Sparkanzlerin, Verbraucherschutzministerin oder gar „Dummzwerg Sarkotzi“: An keinem der Volksvertreter lässt Pelzig ein gutes Haar. Warum auch, stellt der Kabarettist doch die berufliche Qualifikation so manchen Politikers infrage: „Ein Mediziner, der Wirtschaftsminister ist. Und uns verkauft man das als maximal unvoreingenommen.“ Und so wundert es wenig, dass der Spötter für eine Auslosung wichtiger Polit-Posten per Lostrommel plädiert und fröhlich Lose zu ziehen beginnt. „Was habt ihr bloß immer mit dem Grundgesetz. In China geht es doch auch ohne“, so der lakonische Kommentar. Es dauert nur wenige Minuten und Pelzig präsentiert mit Michael Prümmer, einem Betriebswirt aus dem Publikum, den neuen Wirtschaftsminister und kurz darauf auch noch eine Bundespräsidentin.

Was haben die Nascapi-Indianer aus Labrador mit deutscher Politik gemeinsam? Warum muss Rainer Brüderle ab und zu mal nüchtern sein? Und wieso vertrauen 97 Prozent der Deutschen zwar der Feuerwehr, nicht aber den Politikern? Erwin Pelzig weiß darauf eine Antwort: „Na, weil es nur bei drei Prozent schonmal gebrannt hat.“

Er mokiert sich fröhlich über Polit-Debakel, Wirtschaftskrise und die Auswüchse des Bio-Wahns, über SUV fahrende Besserbürger, die mit dem aufgebockten Vehikel bis vor den Bio-Supermarkt rollen und fragt ketzerisch: „Ist es noch Fair Trade, wenn der Kaffee im Öko-Laden von einer unter Tarif bezahlten Aushilfe verkauft wird?“ Natürlich kommen auch seine Stammtischkollegen Dr. Göbel und Hartmut zu Wort – und haben ausgiebig Gelegenheit, sich das Maul zu zerreißen.

Gnadenlos starker Tobak mit klaren Botschaften und zugleich bestes Kabarett in der Tradition eines Dieter Hildebrandt, dem Pelzig mit einem kleinen Gag huldigt.

Quelle: op-online.de

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