Mit dem Essen spielen

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Zuviele Hasen sind des Jägers Tod: Klink, Droste, Heidelbach in Erwartung von Meister Lampes Halali. Fotos:

Frankfurt - Wurst ist das Resultat einer Schnapsidee. Das erfolgreiche Buch wohlgemerkt, nicht die Fleischware. Von Christian Riethmüller

Jedenfalls saßen der Satiriker Wiglaf Droste, der Sterne-Koch und Autor Vincent Klink und der Illustrator Nikolaus Heidelbach einmal bei Verleger Marcel Hartges, um über ein Buch nachzudenken, „das absolut niemand braucht“ (Nikolaus Heidelbach). Ein edler und teurer Band zum Thema Wurst war das Resultat der Überlegungen. Einige Exemplare sollten davon selbstverständlich verkauft werden, um die Kosten zu decken, doch über eine Auflage von 2000 Büchern dachte niemand hinaus. „Damit hätten wir unseren Spaß gehabt“, erzählt Heidelbach, um dann schmunzelnd anzufügen, dass diese Auflage niemals die Nachfrage hätten befriedigen können. „Wurst“ verkaufte sich nämlich prächtig und hat mittlerweile eine fünfstellige Auflage erreicht, wahrscheinlich weil es „ein Coffetable-Book ist, das dem Begriff Ehre macht: Augenweide nebst Nutzwert“, wie der „Spiegel“ in einer Besprechung jubelte.

Der Erfolg verlangte nach Folgebänden, die Droste, Klink und Heidelbach seitdem in schöner Regelmäßigkeit geliefert haben. Auch die Bücher „Wein“, „Weihnachten“ „Wild“ und - als neuestes Werk und erstmals ohne den Anfangsbuchstaben „W“ - „Gemüse“ liefern die bewährte Mischung aus Drostes und Klinks satirischen, ironischen und liebevollen Texten, Rezepten und den hintergründigen, abstrusen, komischen und immer sehenswerten Illustrationen Heidelbachs.

Kinder- und Märchenbücher

Diese Zeichnungen des vor allem als Autor und Illustrator von Kinder- und Märchenbüchern bekannt gewordenen Nikolaus Heidelbach sind nun in einer großen Ausstellung im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt zu sehen. Im laut Eigenwerbung „schönsten Museum der Welt“ werden 260 Zeichnungen Heidelbachs gezeigt, die sich alle mit dem wahren Wesen von Wurst, Wild, Wein, Gemüse und Weihnachten auseinandersetzen. Dazu kommen noch zehn großformatige Bilder, 14 Rezepte und außerdem 16 dreidimensionale Objekte, die der Skulpteur Sigi Böttcher nach Vorlagen Heidelbachs gefertigt hat.

Mit den Waffen einer Frau?

Allen Zeichnungen ist eigen, dass sie den Betrachter wohl erst einmal irritieren, etwa wenn der Weihnachtsmann als roter Klecks über den Pommes Frites zerläuft, zwei Wiener Würstchen als Prostituierte flanieren, zwei Frankfurter unter einer Bettdecke poussieren, die doch nur ein Pappdeckel ist, oder die Fleischtomate am Fleischerhaken hängt.

Heidelbach spielt mit dem Essen und sorgt so für Überraschungen. Dem Wesen von Kulinarik und Lebensart, das auch im Alltäglichen die Überraschung des Unbekannten schätzt, rückt er damit ganz dicht auf die Pelle.

Die Ausstellung „Wurst mit Wein, Weihnachten, Wild und Gemüse“ wird heute um 18 Uhr im Beisein des Künstlers eröffnet. Die Laudatio hält Hans Traxler. Die Schau ist dann bis zum 29. Juli im Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt, Weckmarkt 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 10 - 18 Uhr, Mi 10 - 21 Uhr. www.caricatura-museum.de

Quelle: op-online.de

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