„Everything is Inside“: Retrospektive des indischen Künstlers Subodh Gupta im MMK Frankfurt

Kunst für alle Sinne

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„This is not a fountain“ (2011-13) hat Subodh Gupta seine Installation genannt, das Werk des 50-Jährigen ist gleichwohl ein sinnliches Erlebnis.

Frankfurt - Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst zeigt raumgreifende Skulpturen, Malerei, Videoarbeiten und Performances von Sabodh Gupta. Es ist die erste große Retrospektive des wohl bekanntesten zeitgenössischen indischen Künstlers in Europa. Von Carsten Müller 

Im zentralen Raum des MMK türmen sich gebrauchte Kochtöpfe, es riecht nach Metall, Wasser rauscht aus annähernd fünfzig Hähnen, die aus dem grau-silbrigen Blechberg ragen. Die Installation „This is not a fountain“ (2011-13) ist Kunst für alle Sinne. Sabodh Gupta, der für seine monumentalen Skulpturen bekannt ist, will das „Drama des Alltags, der Familie, der Bühne und des Kinos“ sichtbar machen. Der Ausstellungstitel „Everything is Inside“ steht programmatisch für eine Haltung, die spirituelle Traditionen wie gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und enge biografische Bezüge knüpft.

Das Essgeschirr wird für den 1964 geborenen Künstler, der seine Karriere als Schauspieler, Regisseur und Choreograf begonnen hat, zur Chiffre. Es dient der Speisenzubereitung in Alltag und Religion, wie es Indiens wirtschaftlichen Aufschwung verkörpert, der mit Stahlerzeugung zu tun hat. In ihrem gebrauchten Zustand sind sie zudem Lebenszeugnisse ihrer Benutzer, aufgeladen mit Gefühlen und Bedeutungen. Metallene Töpfe und Tiegel füllen auch ein riesiges Holzboot, das aussieht, als würde es von rotierenden Deckenventilatoren („All in the same boat“, 2012/13) in die Luft gehoben. Sein „Family Portrait“ (2013) besteht aus Abtropfregalen mit Kochgeschirr und ausgeblichenen Küchenutensilien.

Nah am Menschen

Der Künstler zwischen Töpfen und Tiegeln

Die Installation „In this Vessel lie groves and gardens“ (2011) greift ein Sufi-Gedicht auf, wonach ein Gefäß das ganze Universum umspannt. Durch die kleine Öffnung einer mannshohen irdenen Amphore blickt man in eine funkelnd beleuchtete Welt. Auf der wandfüllenden Malinstallation „Flying Saucer“ (2014) wird der patinierte Boden eines Topfes zum Planeten, um den Trabanten aus gehäuften Salz- und Pfefferkörnern kreisen. Auf Guptas Anfänge als Maler verweist auch das Bildnis einer Kuh („Gauri 1“, 2000), auf das er Flecken aus Kuhdung aufgebracht hat, dem in Indien reinigende Wirkung beigemessen wird. Gupta bricht dies ironisch „Pure“ (1999), indem er einen Film, der ihn beim Abduschen einer Dungschicht zeigt, rückwärts abspielt. Die Videoarbeit „I go home every single day“ (2004/14) dokumentiert den Weg des Künstlers von Delhi in seine Geburtsstadt Patna. Gleise, Bahnhöfe, Gegenden, Reisende und sein Elternhaus hat Gupta darin zu einer emotionalen Chronik verdichtet.

Er ist aber auch Chronist seiner Mahlzeiten, die er auf Fotos und in fotorealistischen Malereien festgehalten hat. Aus den Motiven entstand eine Tapete für den Schauplatz seiner Kochperformances. An vier Terminen bereitet er im MMK eine zeremonielle Speise für seine Gäste zu. Wie seine Kunst will Gupta nah am Menschen sein.

„Everything is Inside“ vom 12. September bis 18. Januar im MMK Frankfurt, Domstraße 10. Geöffnet: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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