Und ewig tötet das Weib

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Glücksgriff: Mit lasziver Geschmeidigkeit verkörpert Wiesbadens Ensemblemitglied Emma Pearson die Lulu.

Der Bankier im dritten Akt ist eine Parodie auf Josef Ackermann mit weißem Haar und schweizerischem Zungenschlag: ein launiger Einfall in der Wiesbadener Neuproduktion von Alban Bergs Oper „Lulu“. Von Axel Zibulski

Die Inszenierung von Konstanze Lauterbach eröffnete jetzt die Internationalen Maifestspiele im Großen Haus des dortigen Staatstheaters – wiederum ein Werk der klassischen Moderne, wie es bei dem Festival seit einigen Jahren Tradition hat.

Mutig: Für Bergs Männer mordende Femme fatale hat man in Wiesbaden keinen Gaststar engagiert, sondern dem Ensemblemitglied Emma Pearson die Titelpartie der Lulu zugetraut. Eine kluge Entscheidung: Die Australierin bewegt sich nicht nur hoch souverän ist den von Berg geforderten höchsten Lagen, sondern verkörpert die Lulu auch mit lasziver Geschmeidigkeit. Gespielt wird in Wiesbaden die Fassung mit dem von Friedrich Cerha vollendeten dritten Akt der Oper nach Frank Wedekinds Tragödien „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ – Berg hatte das Werk vor seinem Tod 1935 nicht mehr selbst zu Ende schreiben können.

Nächste Vorstellung am 12. Mai.

Farbige Eleganz strahlt die Bühne von Andreas Jander aus, Tücher mit Gemälden, zumal in der Wohnung jenes Malers im ersten Akt, der eines der zahlreichen Opfer Lulus werden wird. Angus Wood, wie die meisten Sänger des Abends in mehr als einer Partie zu hören, singt ihn mit etwas schmaler tenoraler Eleganz, eine beeindruckende Entdeckung ist der nobel und bruchlos singende Erik Caves als Alwa, unschwer als namensähnliches Selbstporträt des Komponisten Alban Berg auszumachen.

So geschlossen sich das nahezu vollständig auf der Bühne vertretene Wiesbadener Opernensemble präsentiert, so organisch begleitet auch Wiesbadens Generalmusikdirektor Marc Piollet mit dem Hessischen Staatsorchester das Geschehen. Eingangs nur manchmal verwackelt, insgesamt mit einer Spur zu hohem dynamischem Druck, sorgt er doch für eine kompakte und spannungsreiche Maifestspiel-Eröffnung.

In szenischer Hinsicht verläuft sie dank der handwerklich soliden Regie von Konstanze Lauterbach in unaufdringlichen Bahnen – und fern von dem Skandal-Potenzial, das bei der letztjährigen Maifestspiel-Eröffnung Intendant Manfred Beilharz mit einer „Salome“ von Richard Strauss verursachte, die sich seinerzeit Plagiats-Vorwürfen ausgesetzt sehen musste.

Quelle: op-online.de

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