„Paparazzi! Fotografen, Stars und Künstler“

Ewige Jagd nach Bildern

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Supermodel Kate Moss zeigt Zunge.

Frankfurt - Hier geht es zu wie auf der Jagd. Der Beute wird aufgelauert, dann wird sie ins Visier genommen und „abgeschossen“. Von Christian Riethmüller 

Dabei sind die Waffen nicht etwa Gewehre, sondern Fotoapparate mit langen Objektiven oder auch Videokameras, mit denen die Opfer zur Strecke gebracht werden - „bildlich“ gesprochen natürlich, denn das Ziel sind ja Fotos. Möglichst private, die Einblick in die Welt der Schönen, Reichen und Adligen gewähren. Diese Bilderjäger sind unter dem Namen Paparazzi so bekannt wie berüchtigt, auch wenn ihre Jagd auf Stars und Sternchen durchaus den Gejagten dienlich sein kann. Nicht umsonst sagt der Fotograf Pascal Rostain „Es ist ein Spiel von Katz und Maus, von Gendarm und Dieb. Einige Stars machen davon Gebrauch ...“

Elizabeth Taylor an Heiligabend 1979 in Gstaad.

Dieses ambivalente Verhältnis zwischen Fotografen und den von ihnen abgelichteten Stars ist Thema der formidablen Ausstellung „Paparazzi! Fotografen, Stars und Künstler“, die nun in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen ist. Die vom Centre Pompidou in Metz übernommene Schau ist die erste große Ausstellung, die sich mit der Ästhetik der Paparazzi-Fotografie auseinandersetzt. Als weltweites Phänomen hat diese Form der Fotografie immensen Einfluss auf unser kollektives Bewusstsein. Ihre spezifischen Charakteristika - etwa die unscharfen Hintergründe und die überblitzten Flächen wie auch die Mimik und Gestik der abgelichteten Stars - haben aber nicht nur Wirkung auf den Betrachter, sondern fordern auch etliche Künstler heraus, diese Ästhetik in ihre künstlerische Praxis mit einzubeziehen.

Es ist daher ein großes Verdienst der Ausstellung, nicht nur berühmte „Werke“ der Paparazzi-Fotografie als Dokumente der Zeitgeschichte zu präsentieren, sondern die berechtigte Frage aufzuwerfen, ob diese Fotografie nicht vielleicht sogar eine eigene Strömung in der zeitgenössischen Kunst initiiert hat. Mögliche Antworten geben die Arbeiten von (Foto-)Künstlern Cindy Sherman oder Alison Jackson, die den Paparazzi-Stil aufgreifen oder persiflieren, dabei aber ohne weiteres als Schnappschüsse von Stars in ungewohnt privaten Situationen durchgehen könnten. Andere Künstler wie Richard Hamilton, Gerhard Richter, Thomas Demand oder Ulf Lundin verwenden legendäre Pressefotos, um diese zu verfremden oder die Sujets zu imitieren.

Mick Jagger übt sich im Zielwurf.

Mindestens ebenso interessant wie diese künstlerischen Reaktionen auf die Paparazzi sind die Fotos der Bilderjäger selbst, die seit den 1950er Jahren den Starkult befeuern und den Normalverbraucher am glamourösen Leben prominenter Persönlichkeiten teilhaben lassen. An den Fotos, die Paparazzi von berühmten Frauen wie Elizabeth Taylor, Brigitte Bardot, Jackie Kennedy-Onassis, Lady Diana, Paris Hilton und Britney Spears geschossen haben, lässt sich gut der eigene Voyeurismus feststellen, der dieser Fotografen-Spezies überhaupt das Dasein ermöglicht. Gleichsam wie Ikonen der Fotogeschichte erscheinen manche dieser Aufnahmen, weil sie immer wieder in Magazinen, Illustrierten oder Boulevardblättern abgedruckt worden sind. Dabei geht ihnen das spektakuläre Moment sogar in vielen Fällen ab. Doch weil sich in diese Fotos oft viel hineininterpretieren lässt über das - vermeintliche oder tatsächliche - Leben der Stars, haben sie ihren ganz eigenen Reiz.

Unterteilt in drei Abschnitte, führt die Ausstellung ein in Handwerk und Mythos der Paparazzi, die ihren Namen der Figur eines Fotografen in Federico Fellinis legendärem Film „La Dolce Vita“ verdanken, lenkt dann den Blick auf das von unterschiedlichsten Emotionen geprägte Verhältnis von Fotografen (fast ausschließlich Männer) und ihren bevorzugten Stars (meist weiblich), um schließlich Künstler die Prinzipien dieser Art von Fotografie hinterfragen zu lassen, die niemanden unberührt lässt.

„Paparazzi! Fotografen, Stars und Künstler“ bis 12. Oktober in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg. Geöffnet: Dienstag, Freitag bis Sonntag von 10-19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag10-22 Uhr. Zur Schau ist ein informatives Begleitheft (7,50 Euro) erschienen. Der famose englischsprachige Katalog kostet 38 Euro.

Quelle: op-online.de

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