Experten sitzen Fälschern auf

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Max Pechsteins „Liegender Akt mit Katze“ ist ein Falsifikat aus der ominösen „Sammlung Jägers“.

In den deutschen Museen schauen sich die Direktoren derzeit die Rückseiten ihrer Bilder genauer an. Ein Herkunftsaufkleber auf einem vermeintlichen Werk des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk führte auf die Spur eines Fälschungsskandals, der beispiellos für den internationalen Kunsthandel ist. Von D. Hülsmeier

Aus einer Sammlung namens „Werner Jägers“ sollte das über Jahrzehnte verschollene Tiergemälde „Rotes Bild mit Pferden“ (1914) stammen, das vor vier Jahren für einen Rekordpreis von 2,4 Millionen Euro beim Kölner Auktionshaus Lempertz in Köln versteigert wurde.

Aus dem anfänglichen Verdacht wurde ein Kunstkrimi: Inzwischen wurden drei Verdächtige aus der Familie Jägers festgenommen, gegen zwei weitere Personen wird ermittelt.

Insgesamt seien zwölf Bilder aus der vermeintlichen Sammlung in den Handel geschleust worden, sagt der Inhaber des renommierten Kölner Auktionshauses Lempertz, Henrik Hanstein. Dazu gehören zwei weitere bei Lempertz versteigerte Werke von Max Pechstein. Auch Christie's in London habe zwei wohl falsche Campendonks sowie ein Werk von Max Ernst versteigert, das heute im Museum Würth in Künzelsau hänge. Und im Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum hängt als Leihgabe der spanischen Telefongesellschaft Telefónica ein zweifelhaftes Werk des Kubisten Louis Marcoussis.

Fälschungen mit Aufklebern aufgedeckt

Bereits im Juli hatte der Fachmann Ralph Jentsch im Lehmbruck- Museum Rückseiten nach verdächtigen Aufklebern abgesucht. Jentsch war es, der die Fälschungen anhand dieser Aufkleber aufdeckte. Die Fälschungen seien „genial“, sagt Hanstein. Und: „Wir haben uns alle auf maßgebliche Experten verlassen.“

Die Bilder seien „in homöopathischen Dosen“ über mehrere Jahre in Köln, London und Paris verkauft worden. Hanstein weist Vorwürfe, Lempertz habe nicht sorgfältig genug geprüft, zurück. „Wir sind im Kunsthandel alle nicht davor gefeit.“

Nach Verdacht Detektiv engagiert

Auch der Berner Galerist Wolfgang Henze, der das Pechstein-Werk „Liegender Akt mit Katze“ 2003 für 500 000 Euro bei Lempertz ersteigerte, sagt: „Die Fälschungen sind wirklich von höchster Qualität.“ Henze hat sich dennoch einer Klage gegen Lempertz angeschlossen.

Als der Verdacht der Fälschung des Pechstein aufkam, engagierte Henze einen Privatdetektiv. „Nach zwei Tagen war alles klar, es gibt keine Sammlung Jägers“, sagt Henze. Beim Campendonk war es übrigens neben dem Aufkleber das „Titanweiß“, das auf die Spur der Fälscher führte. Zum Zeitpunkt der Entstehung 1914 gab es das Pigment noch gar nicht.

Quelle: op-online.de

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