Feeling für die Region

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Migu M. Syeds Blick aufs Frankfurter Westkreuz

Seligenstadt - Was ist das Rhein-Main-Gebiet? Wirtschaftsraum? Verkehrsknotenpunkt? Oder vielleicht doch Bestandteil einer regionalen Identität? Von Carsten Müller

Fünf Künstler haben sich in der Ausstellung „Main-Town-Feeling“ einen Reim auf die Region gemacht, in der sie leben, zu sehen in der Seligenstädter Galerie im „Alten Haus“.

Leider waren die Videoarbeiten von Veikko Börner und David Grimm nicht zu besichtigen.

Ursula Zepter Digital-Collage „Main Town Feeling“

Wie ein Nachhall städtischen Lebens wirken die Frankfurter Ansichten der HfG-Absolventin Katja Jüttemann. Der verwaschene Sepia-Ton lässt die Wachs-Öl-Malereien wie alte Postkarten wirken. Perspektivisch und fotografisch genau rückt die Architektin Details von Brücken, Hochhäusern, von Straßenecken und Fassaden ins Bild. Spannung erzeugt der Gegensatz zwischen technischer Stadtmöblierung und der sie umgebenden Leere. Bewohner dieser Stadtfluchten sucht man vergebens. Allenfalls schemenhaft sind Menschen zu erkennen oder auch nur ein paar Füße auf dem Pflaster. Innenansichten der für den EZB-Neubau geräumten Großmarkthalle lassen frösteln. Lichtschalter und Heizungsrohre dokumentieren urbane Vergänglichkeit.

Katja Jüttemanns Frankfurter Ansicht

Ursula Zepter, auch sie Absolventin der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, überwindet in ihren titelgebenden Digital-Collagen jede lokale Animosität, bringt offizielle und subjektive Wahrzeichen Offenbachs, Seligenstadts oder der Frankfurter Innenstadt zueinander. In den farbkräftigen Grafiken, teils in tiefes Nachtblau getaucht, teils von naiver Sonnigkeit, scheinen sich markante Gebäude zur Wohlfühlregion aneinanderzuschmiegen, gerät die Skyline unter dem Wasserfilm einer Autoscheibe zum märchenhaft verwunschenen Raum der Möglichkeiten. Zu kubistischen Erkundungen werden gezeichnete Treppen-Studien.

„Main-Town-Feeling“ noch bis 25. September in der Seligenstädter Galerie „Altes Haus“, Frankfurter Straße 13. Geöffnet: Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 15 bis 18 Uhr.

Der Maler und Bildhauer Migu M. Syed sieht die Region vor allem als Netz von Verkehrsflächen, denen er faszinierende Seiten abgewinnt. So gerät der tägliche Stau auf dem Autobahn-Westkreuz im großformatigen Acrylbild zur abstrahierenden Farbflächenkomposition. Aus der Vogelperspektive entfalten Mainbogen und Flughafen ästhetischen Reiz. Und in kleinformatigen Papierarbeiten lösen sich Silhouetten von Jets auf dem Rollfeld in farbige Kreide-Flächen auf. Von solch einem Flughafen träumen Lärmgeplagte ...

Quelle: op-online.de

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