Ferner Osten ist in Frankfurt ganz nah

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Kunst hilft Japan: Angelika Gilberg, „Ohne Titel“, 2011, Acryl auf Leinwand.

Frankfurt - Die Notlage Japans hat Stephan Graf von der Schulenburg, den Ostasien-Experten des Museums für Angewandte Kunst, nicht ruhen lassen. Von Reinhold Gries

Gebote sind bis 9. September um 12 Uhr unter stephan. schulenburg@stadt-frankfurt möglich.

Mit 66 Künstlern, vorwiegend aus Deutschland und Japan, haben der Kurator und Organisatorin Angelika Gilberg eine Benefizaktion auf die Beine gestellt. Bis 10. September sind im MAK 71 gestiftete Werke klassisch-moderner und zeitgenössischer Künstler zur „Vorbesichtigung“ ausgestellt. Das Projekt „Künstler helfen Künstlern“ gipfelt in abschließender Auktion für jedermann am 10. September ab 14 Uhr. Der Erlös soll Malern, Bildhauern und Keramikern helfen, die beim Erdbeben und dem anschließenden Tsunami von Zerstörungen getroffen sind, ihr Lebenswerk verloren oder keine Grundlage für normales Weiterarbeiten mehr haben.

Mitten ins Thema führt die Mixed-Media-Arbeit „Tohoku Japan / 11. März 2011“ der in Tokio lebenden Künstler Susanna Baer und Alexander Sonderegger. Die surreale Zeichensujets Michael Runschkes nehmen das auf, ohne das Prinzip Hoffnung zu vergessen: „Es gibt so viel zu denken, was ich nicht weiß. Jeder für sich allein – doch Sterne am Himmel.“ An selige John-Lennon-Zeiten knüpft Yoko Onos signierter Schwarz-Weiß-Druck „Imagine Peace“ an.

Malerei, Zeichnungen und Skulpturen

Gebote erwartet man für Hochkarätiges wie Walter Moroders einsame Bronzefigur, Tobias Rehbergers Leuchtobjekte „Good Night & Good Luck“, Hermann Nitschs expressive „Levitikus“-Terragrafie oder Wanda Pratschkes archaisch-weibliche Bronzen. Im großen Ausstellungsraum lassen sich Nachkriegswege der Moderne verfolgen. Wie die Saat des Informel aufgegangen ist, sieht man auch an Konkreter Kunst, expressiver Abstraktion und Action Painting. Mit Vitalität haben sich Maler wie Leena van der Made, Thomas Kaminsky, Heide Lauterbach und Angelika Gilberg ins Medium Farbe geworfen, gefolgt von witzig-skurrilen Zeichnern wie Martina Kügler, Johannes Gecelli und Lisa Endriss.

„Künstler helfen Künstlern – Japan nach dem Tsunami“ im Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt, Schaumainkai 17. Geöffnet: Mittwoch 10-21 Uhr, Donnerstag und Freitag 10-17 Uhr, Samstag 10-13 Uhr, ab 14 Uhr Auktion.

Das ornamentreiche „Erinnerungsstück Typ III“ des HfG-Absolventen Alexander von Falkenhausen gefiel schon bei Offenbachs Kunstansichten. Daneben leuchtet Anette Babls fotografisch komponierte Steintafel „Nudism is forbidden by the police“ wie eine antike Grabinschrift auf. Für gekonnte Irritation sorgen auch schräge Frankfurter Hochhaustürme von Claus Delvaux, flirrende Lichtzeichen von Max Pauer und der Puzzle-Druck „Bouchet in the Snow“ von Peter McClennan. Grenzen zwischen Malerei, Fotografie und Collage werden locker überspielt.

Erstaunlich nah sind sich manche japanische und deutsche Künstler: Dietz Eilbachers Chiffre erscheint wie eine legitime Nachfolgerin von Shiryu Moritas klassisch-japanischer Tusche-Kalligrafie. Christa von Schnitzlers Stele-Zeichnung lebt von Askese wie die Stahlskulptur Hiromi Akiyamas aus Hiroshima. Silvia Fohrers Marmorskulptur „Zero#1“ und Alfred Regnats Messing-Quadratteilungen sind seelenverwandt mit Domenico D’Ooras blauem Quadrat und Hideaki Yamanobes „Landscape“.

Quelle: op-online.de

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