Fesche Gaudi außerhalb des Bierzelts

Bei La Brass Banda geht es um die Gaudi. Die Show dieser Lederhosen mit T-Shirts kombinierenden Band, die seit dem Debüt mit ihren Album „Habedieehre“ von 2008 weit über die Grenzen ihrer bayerischen Heimat hinaus Furore macht, setzt auf bewährte animatorische Mittel. Von Sebastian Hansen

Das Vorbild der amerikanischen Youngblood Brass Band war prägend für das aus dem Chiemgau stammende Quintett, das jetzt im Offenbacher Capitol gastierte. Als „Alpen-Jazz-Techno“ charakterisiert die Band um den Trompeter und Showmacher Stefan Dettl ihre Musik – nur bedingt treffend – selbst. La Brass Banda zeigen, dass Blasmusik funky sein kann und auch außerhalb der Bierzelte ihre Freunde zu finden vermag.

Das mit Trompete, Posaune, Tuba, elektrifiziertem Bass und Schlagzeug besetzte Quintett steht dem HipHop näher als dem Techno. Die Phrasierung der Bläser ist an Jazz und Funk geschult; Bass, Schlagzeug und Tuba vermögen einen anständigen Technobeat zu produzieren, unter Verzicht auf digitale Mittel. Stefan Dettls Gesang greift immer wieder ins Rap-Idiom aus.

Eine etwas andere Volksmusik, die Klischees bedient

Ob des Dialekts sind die Texte nicht immer einwandfrei zu verstehen. So viel versäumt das Publikum allerdings nicht. Auch diese andere Form der Volksmusik kommt nicht ohne – ironisch distanzierte – Bemühung lokaler Klischees aus. Wenn es um Liebe und Partnerschaft geht, ist handfeste Machart zu bescheinigen. Die österreichischen Attwenger gehen mit ihrem neodadaistischen Gestus viel weiter und erreichen dergestalt ein höheres Maß an Originalität.

So wenig diese Musik ohne den Hintergrund der alpenländischen Volksmusik zu denken ist, so sehr hebt sie sich aus dem regionalen Zusammenhang heraus, ohne weltmusikalische Anmutung. Es ist die versierte Selbstverständlichkeit im Umgang mit Stilsegmenten mannigfacher Herkunft wie Mariachi-Musik, Dub-Reggae und Ska, mit der La Brass Banda für sich einnimmt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © www.labrassbanda.com

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