Feste Bleibe für Cranach

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Der Magdalenenaltar aus Cranachs Werkstatt, hier der Mittelteil, kommt als Dauerleihgabe in das Stiftsmuseum.

Die großartige Ausstellung „Cranach im Exil“ ist in Aschaffenburg nicht folgenlos geblieben. Schloss Johannisburg, Kunsthalle Jesuitenkirche, Stiftsmuseum und Stiftsbasilika hatten 2007 unter der Leitung von Dr. Thomas Richter erstmals kooperiert, um den Glanz des „Halleschen Heiltums“ und der Cranach-Bilder Albrecht von Brandenburgs voll zu entfalten.

Denn der 1540 vor der Reformation aus Halle flüchtende Kardinal hatte die Schätze samt der weltgrößten Reliquiensammlung komplett in sein Bistum Mainz mitgenommen. Davon profitiert die ehemalige Albrecht-Residenz bis heute.

Ein halbes Jahrtausend später kann auch die „Aschaffenburger Kulturmeile“ Gestalt annehmen, vorbereitet von Aschaffenburgs „Museumsrat“ mit OB Klaus Herzog, Richter, Thomas Goppel und anderen. Ex-Stiftspfarrer Jürgen Vondran und seine Gemeinde haben sich (als Dauerleihgabe) von ihrem wertvollen Kirchenschatz getrennt, damit das im Umbau befindliche Stiftsmuseum ab 20. November 2009 mit einzigartiger Präsentation aufwarten kann. Die neu inszenierte „Schatzkammer“ wird einen der bedeutendsten Stiftsschätze Deutschlands aufnehmen.

Während der mit herrlichen Skulpturen bestückte „Gotische Saal“ und das barocke „Kanonikerzimmer“ in alter Gestalt verbleiben, kommen die Schätze der Spessartklöster Himmelthal und Schmerlenbach besser zusammen. Vom Bodemuseum Berlin kehrt der linke Teil des unbekannten Riemenschneider-Reliefs von 1505 zurück und macht mit dem Aschaffenburger rechten Teil die „Weihnachtsdarstellung“ komplett, die zum 1000-Jahre-Stiftsjubiläum 1957 nur für kurze Zeit vereint war.

Eine Kostbarkeit ist das „Aschaffenburger Brettspiel“ (um 1300) aus Jaspis, Bergkristall, farbigen Tonfigürchen, Silber und Email. Das lange als Reliquienbehälter entfremdete älteste deutsche Schachbrett wurde 1854 bei der Restaurierung der Stiftsbasilika zwischen Schädeln gefunden.

Ein weiterer überraschender Fund gelang 1986 bei der Renovierung des Stiftsmuseums. Als Eichenbrett eines Zwischenbodens diente die „Aschaffenburger Tafel“ von 1240/50 mit dem thronenden Christus, Maria und Johannes dem Täufer – eine der ältesten Deesis-Tafeln Deutschlands. Aus dem Schatz der Stiftsbasilika kommen Albrechts vergoldete Silberreliquiare, die glänzende Büste St. Alexanders mit Schädeldecke, Email, Edelsteinen und Perlen (1410/20) und ihr Gegenstück, das Büstenreliquiar St. Peters von 1473, in das eingraviert ist: „Dis heubt hatt gemacht Hans Dirmsteyn von Franckfurt M cccc lxxiii“.

Sehr kostbar ist die gotische Turmmonstranz einer Kölner Werkstatt des 15. Jahrhunderts, Albrechts handgeschriebene und mit Deckfarben und Gold auf Pergament gesetzte Nürnberger „Missale“ (1533) und „Passionale“ (1534). Dazu wird man eine gute Kopie der Grünewaldschen „Verspottung“ und Albrechts seltenen Reliquienkalender sehen, während andere Grünewald-Originale und der berühmte Magdalenensarg von 1520 in der Stiftsbasilika bleiben.

Dafür trennt sich die Bayerische Staatsgemäldesammlung auf Dauer von einem Glanzstück, dem aufwändig restauriertem „Magdalenenaltar“ von 1520/25 aus der Werkstatt Lukas Cranachs. Es erhält einen eigenen Raum, der die Mitteltafel mit dem auferstehenden Christus und der Engelsgloriole sowie die Seitentafeln zur Hl. Magdalena und zum Hl. Lazarus ebenso ins rechte Licht setzen wird wie die rückseitigen Heiligenbilder zu Valentin, Martha und Chrisostomus. Auch die schöne Predella mit Jonas, dem Walfisch und der Fantasielandschaft könnte kaum einen besseren Platz finden als im stimmungsvollen Stiftsensemble mit seinem spätromanischen Kreuzgang – ein „fränkisches Quedlinburg“. Ab Oktober wird es zum neuen Zentrum sakraler Kunst in Rhein-Main eine eigene Webseite geben: http://www.museen-aschaffenburg.de. REINHOLD GRIES

Quelle: op-online.de

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