Festival der jungen Talente

Hafen als Kunst-Schauplatz

+
Die Gießener Studenten Judith Altmeyer, Lisa Schettel und Thomas Bartling führten die Performance „All The Things She Said“ auf.

Offenbach - Unter dem Motto „What happens in Offenbach stays in Offenbach“ fand am Wochenende auf dem Hafengelände zum siebten Mal das „Festival der jungen Talente“ statt. An verschiedenen Orten konnte man Kunst, Musik und Theater von hessischen Studenten bestaunen. Von Thomas Ungeheuer 

Zucker? Nein, das malt Georg Thanner nicht, weil es ausschaut wie Salz. Ebenso weigert sich der Künstler, der an der Hochschule für Gestaltung (HfG) studiert, Tiere, Gitarren, Fahrräder, Gerippe, Autos, Sport, Sex, Punker, Bullen, Kinder, Nudeln, Tränen und Zirkus zu malen. Was Thanner für bildwürdig hält, konnte man bis gestern in der Ölhalle betrachten. Aber letztlich erschien das, was er auf seinem Gemälde „Was ich nicht male“ zeigt, gar nicht Mal so interessant. Wesentlich reizvoller erschien es, sich das ein oder andere, das Thanner nicht malt, selbst vorzustellen. Aber würden sich Männer und Frauen ähnliche (Traum)-Autos vor das geistige Auge führen? Wohl kaum. Ja, es ist das irreführende Spiel mit der individuellen Wahrnehmung, das hier auf geschickte Art in Gang gesetzt wurde. Wenn man dies als solches erkannte, konnte man sich ihm unbeschwert widmen.

Als wesentlich aufwendiger erwies sich das künstlerische Konzept, das bei den Führungen über das Hafengelände schöne Blüten trug. Mit ironischem Witz und viel Liebe zum Detail konzipiert, von den Studierenden der HfG und der Goethe-Universität, Ester Poppe, Imke Greitzke, Jennifer Gelardo, Julia Eichler, Lilly Lular und Sven Zedlitz, bekamen Neugierige über Kopfhörer verschiedenste Informationen über Offenbach und das „Hafengold“ zu hören. Untermalt vom Schreien spielender Kinder, dem Gurgeln rauschenden Wassers oder dem Röhren von Flugzeugtriebwerken erfuhr man in der Audio-Collage, was der einstige Bürgermeister Walter Buckpesch, Dichter Johann Wolfgang Goethe, Museumsdirektorin Claudia Dillmann und viele andere über Offenbachs Hafen gesagt haben. Verwunderlich waren diese Spaziergänge. Sorgfältig ausgewählte Zitate begleiteten einen hierbei. Während man bei der einen Route diese Stadt nahezu als Naturidyll empfinden konnte, erfuhr man sie auf einer anderen als einen von Industriebauten dominierten, eher unwirtlichen Ort.

Poetisch bebildertes Video

Dass selbst Turmkräne zu anmutigen, tänzerischen Wesen werden können, zeigte indes die poetisch bebilderte Videoarbeit von Letizia Calori und Violette Maillard. Die Städelschülerinnen inszenieren in „L’Oiseau de feu (The Firebird) - A Ballet for Tower Cranes“ vor strahlend blauem Himmel zwei rote Kräne in einem eleganten Pas de deux. Und dies ganz feierlich zu klassischer Musik von Igor Strawinsky. Ein Musikvideo? Ja, aber ein sehr erfrischendes, in dem mit großer Leichtigkeit eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart gebaut wurde.

Die Produktion eines persönlichen und deutlich sichtbaren Musikvideos erwartete der couragierte Besucher hingegen in der Performance „All The Things She Said“. Er bekam jedoch von Judith Altmeyer, Lisa Schettel und Thomas Bartling, alle an der Justus-Liebig-Universität Gießen studierend, etwas viel Aufregenderes präsentiert. So wurde er tief einbezogen in eine ausgereifte Kunstaktion, welche die drei Studenten der Angewandten Theaterwissenschaft innerhalb ihrer sorgfältig mit Technik ausgestatteten Räume durchführten. In schwarzen Kostümen führten sie mit Liedern, Schauspiel und gesprochenen Texten ihren Besucher hin zu dessen Fantasie. So konnte ganz frei im eigenen Kopf das gewünschte Video in allen erdenklichen Farben und Formen entstehen.

Beflügelt von solch hohem künstlerischen Niveau machte es Spaß, die große Vielfalt die weiteren Arbeiten der „jungen Talente“ anzuschauen. Für das nächste Festival bleibt nur ein Wunsch offen: mehr Besucher!

Quelle: op-online.de

Kommentare