Festkonzert in der Lutherkirche Offenbach

Freigerudert und geglänzt

Offenbach - Das Festkonzert zum 100-jährigen Weihejubiläum von Offenbachs Lutherkirche sorgte für ein volles Haus. Von Reinhold Gries

Dirigent Friedemann Becker scharte seine Offenbacher Kantorei, das Frankfurter Barockorchester – ein Spezialensemble aus der Region – und gute Solisten um sich, um Antonio Vivaldis konzertante Gloria-Messe und Marc-Antoine Charpentiers Te-Deum-Lobgesang zu bewältigen.

Beckers vielköpfige Musikarmada musste sich ein wenig freirudern, um Charpentiers höfische „Grand Motet“ in den Griff zu kriegen. Da blieben zu Beginn einige Einsätze ebenso ungenau wie Wechsel zwischen Chor- und Instrumentalgruppen. Doch das besserte sich. Rozana Weidmanns Einsätze an der Truhenorgel waren tadellos, Ichiro Nodas Bassgambenklänge hochflexibel, Leevke Hinrichs Traversflötenläufe samtweich. Janine Krauses virtuose Kantilenen auf der Barockoboe und die Streicher mit Konzertmeisterin Hongxia Cui und der Offenbacherin Katharina Ozaki waren des Anlasses würdig.

So hatte der Chor den Klanggrund, sich der französischen Singweise anzunähern. Das typische Hinein- und Herausschwingen in oder aus Endtönen und Koloraturen bekommen deutsche Chöre freilich selten hin. Der aufgefächerte Choreinsatz des „Te aeternum patrem“, martialische Effekte des „Pleni sunt caeli“ und die Ankündigung „Judex crederis“ zum Erscheinen des Weltenrichters gelangen trotzdem.

Vivaldis rhythmische Vorgaben

Die Solisten gefielen vor allem in den Terzetten und Quartetten. Dabei wirkten Johanna Krells tiefere Altregister verhalten, Tenor Sören Richters und Bass Johannes Wilhelmis Einsätze solide. Überstrahlt wurde alles von der herausragenden Sopranistin Marina Unruh – und von Immers Trompetenklang.

Durchgängig überzeugend das zwölfsätzige Gloria, bei dem Vivaldis rhythmische Vorgaben ebenso schwungvoll umgesetzt wurden wie sein Farbenreichtum und tiefgründigen Lamento-Motive. Auch diese Komposition lebte von breiten wie flexiblen Chören, silbrigem bis quirligem Streicherklang und festlichen Trompeteneinsätzen. Da bekam die gut aufgelegte Kantorei mehr Möglichkeiten zu glänzen, bis hin in diffizile Fugen und Koloraturen.

Berührender Höhepunkt war Unruhs bezauberndes „Domine Deus“ im Dialog mit Oboen und Continuo. Instrumentalisten, Chor und Solisten musizierten wie aus einem Guss und wurden dafür zu Recht mit Beifall überschüttet.

Quelle: op-online.de

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