Ausstellung im Filmmuseum

Hollywood am Main

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Aufgalopp vor dem Kodak Theatre: Seit 1929 werden in Los Angeles die begehrten Academy Awards verliehen.

Frankfurt - „And the Oscar goes to..." Seit 85 Jahren fiebern die Filmbranche und Millionen Fernsehzuschauer der Verleihung der Academy Awards in Los Angeles entgegen. Von Carsten Müller

Jene magischen Worte standen Pate für eine Ausstellung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, die Hollywood-Glamour an den Main holt. „Die Academy Awards sind nicht nur die ältesten kontinuierlich vergebenen Auszeichnungen, sondern die kulturell und ökonomisch folgenreichsten,“ sagte Museumsleiterin Claudia Dillmann. „Sie sind ein Mythos. “.

Sage und schreibe zehn der goldenen Statuetten konnten die Kuratoren Jessica Niebel und Michael Kinzer aus der prächtigen Sammlung der amerikanischen Academy of Motion Pictures Arts and Sciences in Los Angeles entführen. Eine Entourage aus Fachleuten des Kooperationspartners begleitete die wertvollen Stücke aus dem Besitz von Bette Davis, Clark Gable, Billy Wilder sowie John Huston, die nun geschützt in Plexiglasröhren markante Glanzlichter der Schau setzen.

Produktionsskizze von Richard Day für „Die Faust im Nacken“.

Im Brennpunkt steht die Geschichte der Oscars für den besten Film, Königsdisziplin der Verleihung des undotierten Preises. Denn nur an dessen Auswahl sind alle gut 6 000 Mitglieder der Filmakademie beteiligt. Die übrigen Kategorien werden, mit Ausnahme des Auslands-Oscars, jeweils innerhalb der einzelnen Branchen vergeben. Rund 500 nominierte beste Filme sind entlang einer Zeitleiste aufgereiht, Szenenfotos, Ausschnitte der Siegerfilme auf kleinen Monitoren sowie Radio- und Fernsehmitschnitte der Verleihungszeremonien illustrieren Filmgeschichte.

Die Zeitreise beginnt bei den Einladungen zum ersten Bankett der Akademie, die 1927 gegründet wurde, um der sprunghaft wachsenden Branche Struktur zu geben. „Es herrschte Chaos“, sagte der zur Ausstellungseröffnung nach Frankfurt gereiste Präsident der US-Filmakademie, Hawk Koch. Unter den ersten Oscar-Gewinnern war 1929 übrigens ein Deutscher: Schauspieler Emil Jannings.

Hollywood-Glamour am Main

Hollywood-Glamour am Main

Die Schau ist auch eine Begegnung mit den eigenen Bildwelten: Manche werden Mel Gibsons Schwert aus „Braveheart“ (1996) wiedererkennen oder die Skulptur aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1982) , andere die Kostümentwürfe für Olivia de Havilland („Die Erbin“, 1950) und Marlene Dietrich („Zeugin der Anklage“, 1957) oder auch durch Filmposter an eigene Kino-Erlebnisse erinnert. Einblicke in das Innenleben der Produktion ermöglichen Drehbuchauszüge und Manuskripte, gezeichnete Storyboards erreichen hohe künstlerische Qualität.

Wie heftig es in einer perfekt geölten Unterhaltungsmaschinerie menschelt, belegen nicht nur Billy Wilders Entgegnung auf Änderungswünsche eines italienisch-stämmigen Studiomitarbeiters („Viva la Duce!“), Alfred Hitchcocks Notizen nach dem Casting einer Hauptdarstellerin oder Gary Coopers Entschuldigung für säumige Mitgliedsbeiträge. An anderen Stelle kommt Cooper übrigens noch einmal zu Wort: „,Vom Winde verweht’ wird der größte Flop der Geschichte. Ich bin heilfroh, dass Clark Gable damit auf die Nase fällt und nicht ich.“

„And the Oscar goes to... - 85 Jahre bester Film“ bis 28. April 2013 im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr

Dass ausgerechnet der genannte Streifen einmalige Oscar-Rekorde aufgestellt und Filmgeschichte geschrieben hat, schildert einer von neun thematischen Schwerpunkten, die sich unter anderem dem Einfluss der Kriegszeit, vergessenen Oscar-Gewinnern, dem technischen Ablauf der Abstimmung oder den Mechanismen der Oscar-Show widmen. Die Ausstellung begleiten eine Reihe mit restaurierten Siegerfilmen, außerdem Gespräche mit deutschen Oscar-Gewinnern. Zudem organisiert das Filmmuseum einen Oscar-Tipp. Denn obwohl vor allem Dramen und Biografien mit humanistischer Botschaft beste Chancen haben, ist das Rennen um den Ritterschlag der Branche immer wieder elektrisierend – nicht nur für Filmschaffende.

Quelle: op-online.de

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