Im Flitzer durch das Feuchtgebiet

Derart erfolgreich war vor sieben Jahren sein so betitelter „Schundroman“, dass Bodo Kirchhoff einen zweiten, nur so genannten, folgen ließ. „Erinnerungen an meinen Porsche“ ist vermutlich das erste Buch zur Finanzkrise; geht es doch um einen Investmentbanker, dessen bestes Stück empfindlich Schaden genommen hat. Wer den Autor kennt, ahnt, dass damit kein Auto gemeint ist.

Die Lesung in seiner Heimatstadt Frankfurt lockte zahlreiche Interessenten ins Chagallfoyer des Schauspiels.

Ein Schnellschuss, der ins Schwarze trifft: Den Eindruck hinterließ Kirchhoffs großartiger Auftritt. Von Intendantin Elisabeth Schweeger zu Recht als hervorragender Unterhalter und guter Schauspieler gerühmt, brauste er im Sportwagen quer durch den Text, dessen humoristische wie stilistische Qualitäten betonend.

Aus vielen Parallelen zwischen Gasgeberei und Geschlechtsverkehr zog der Verfasser und Vortragskünstler lustvoll Gewinn. Kabinettstück war die Verwundung seines Helden Daniel Deserno am Fortpflanzungsorgan mit einem Designer-Korkenzieher nebst Absingen von Weihnachtsliedern aus der darunter liegenden Wohnung.

Ist das Schund? Nein! Zu offenkundig ist die Ironie, die Literaturkritiker Martin Lüdke und ZDF-Moderatorin Petra Gerster im Gespräch herausarbeiteten. Auch die „Zauberberg“-Situation im Sanatorium mit seinen Prominentenleichen zeigt Kirchhoffs Absicht: Einen Jux will er sich machen – mit ernstem Hintergrund ... MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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