Kristof Magnussons „Männerhort“ am Fritz-Rémond-Theater gefeiert

Flucht aus der Einkaufshölle

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Tor! In ihrem Männerkeller erfreuen sich (von links) Mario (Martin Zuhr), Helmut (Wolff von Lindenau), Lars (Franz Tscherne) und Eroll (Stefan Schneider) an Dosenbier und Fußballübertragung.

Frauen werden das normal finden: Eine alte irische Brosche entdeckt. Passende Bluse, BH und Top erstanden. Da ist ein neuer Rock notwendig. Zufällig am Schuhladen vorbeigekommen, vielmehr nicht vorbei. Zuletzt die Brosche umgetauscht, weil sie nicht zu den Schuhschnallen passt. Beim starken Geschlecht löst das Fluchtreflexe aus. Von Markus Terharn

Wohin die führen können, das zeigt Kristof Magnussons Komödie „Männerhort“ am Fritz-Rémond-Theater Frankfurt. Das Premierenpublikum pflegt bereits in der Pause angeregte Gespräche und spendet nach vergnüglichen zwei Stunden reichlich Beifall.

Für Pilot Helmut, Softwareschreiber Eroll und Manager Lars bietet er Zuflucht vor ihren konsumfreudigen Holden, der Heizungskeller des Einkaufszentrums. Sofa, Fernseher, mit Bier gefüllter Kühlschrank, Dartscheibe und Kalenderbilder spärlich bekleideter Schönheiten – fertig ist ihr Paradies (Bühne: Bodo Wallerath). Für den Brandschutzbeauftragten Mario ist es aber ein Raum für fossile Brennöfen, Aufenthalt verboten. Das schlichte Gemüt ist indes rasch korrumpiert, alle schließen eine Wette ab: Wer schafft die Shoppingtour mit der Liebsten am schnellsten?

Es ist nur der Auftakt zu einem fröhlichen Reigen ohne Tiefgang, aber mit viel Dialogwitz. Verwicklungen bleiben, wo Frauen (obwohl unsichtbar) sind, nicht aus. So wird das Refugium zur Herberge, sobald der Haussegen schief hängt.

Regisseur Peter Kühn weiß, wie große Jungs sich benehmen, wo sie unter sich sind. Die Interaktion des Quartetts hat er prächtig in Szene gesetzt. Auffällig sein Hang zu bewegten Bildern, wenn zum Beispiel ein Formel-1-Training körpersprachlich simuliert wird. Glücklich sein Sinn für Situationskomik, wenn sich erst zwei, dann drei Leute die Schlafcouch teilen.

Dem fidelen Vierer ist die Spielfreude anzusehen, nicht nur beim spontanen „Spaßkampf“. Treffend nach Typ besetzt, stehen denkbar unterschiedliche Charaktere auf den Brettern. Als Flugkapitän Helmut gibt Wolff von Lindenau den korrekt gescheitelten Uniformträger und Hemingway-Leser: Ausgerechnet seine Beziehung ist die erste, in der es kriselt. Bei dem etwas weltfremd wirkenden Computerfuzzi Eroll würde einen das ja nicht weiter wundern: Stefan Schneider mimt ihn als wenig selbstbewussten Menschen, dessen größte Angst ist, ein Verlierer zu sein.

Bei Aufreißer Lars, den am einen Handy die Gattin mit Selbstmorddrohungen nervt, derweil am anderen weibliche Internetbekanntschaften Kontakt suchen, erstaunt einen gar nichts: Der Österreicher Franz Tscherne versieht ihn mit öligem Charme. Feuerwehrmann Mario scheint der Bodenständigste zu sein: Von Martin Zuhr (bekannt aus der kultigen RTL-Comedy „T.V. Kaiser“) mit Ruhrpott-Rauheit ausgestattet, ist er es jedoch, der im Fummel die Damen ausspioniert. Das ist ein eher flacher Lacher.

Auf dem Plan bis 28. Juni

Quelle: op-online.de

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