Uwe Timm liest „Halbschatten“ im Literaturhaus

Flug ist Leben wert

„Heißer Sommer“, Titel von Uwe Timms erstem Roman, hätte auch für seine Poetik-Dozentur an der Uni Frankfurt gepasst. Deren Motto hieß jedoch „Von Anfang und Ende“. Die Abschlusslesung im Literaturhaus begann der Autor mit dem Anfang seines aktuellen Buches „Halbschatten“. Das Ende verriet er nicht ...

„Der Flug ist das Leben wert“ steht auf dem (rekonstruierten) Grabstein der Luftpionierin Marga von Etzdorf auf dem Berliner Invalidenfriedhof. Dort, zwischen letzten Ruhestätten von preußischen Offizieren, deutschen Piloten und Nazi-Größen, lässt sich der Erzähler führen – und vernimmt die Stimmen der Toten. Darunter die des Ex-Kampffliegers Christian von Dahlem, der sich an die Begegnung mit Marga von Etzkorn erinnert.

In dem Porträt dieser Frau, die allein von Europa nach Japan fliegt und sich 25-jährig nach einer Bruchlandung in Syrien 1933 erschießt, gelingen Timm die besten Beschreibungen. Da zeigt sich auch sein Humor; wird die Tollkühne in Asien doch mit ihrer britischen Konkurrentin verwechselt und mit der falschen Nationalhymne empfangen.

Problematisch wird’s mit einem weiteren Auszug, als Marga zur Botin zwischen Himmel und Erde stilisiert und über die Rolle von Engeln reflektiert wird. Über Verständnisschwierigkeiten hilft Timms angenehm ruhiger Vortrag hinweg. Diesem Schriftsteller ist sein literarischer Erfolg, wie auch die weit überdurchschnittliche Resonanz seiner Frankfurter Vorlesungen, nicht zu Kopf gestiegen. Lang ist die Schlange am Signiertisch – für jeden hat er ein persönliches Wort!

MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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