„Flying Bach“ in der ausverkauften Jahrhunderthalle

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Atemberaubende Akrobatik in Perfektion liefert das Ensemble zur Musik Johann Sebastian Bachs.

Frankfurt - Breakdance und Bach bringt die spektakuläre Show „Flying Bach“ beeindruckend zusammen auf die Bühne. Wie gut das funktioniert, erlebten und bejubelten die Besucher beim Auftaktabend des fünftägigen Frankfurt-Gastspiels in der ausverkauften Jahrhunderthalle. Von Dirk Fellinghauer

Keine zwei Stunden dauerte es nach Auskunft der Veranstalter, bis 12.500 Karten für die fünf „Flying Bach“-Abende verkauft waren. Und keine drei Minuten dauerte es bei der Frankfurt-Premiere, bis der erste Szenenapplaus aufbrandete. Ungläubiges Staunen und stürmischer Jubel wechselten sich ab während der siebzigminütigen Darbietung, die dem Publikum immer wieder den Atem raubte. Die sensationelle, international besetzte Berliner Truppe Flying Steps, die schon vier Breakdance-Weltmeistertitel einheimste, stellte Bach buchstäblich auf den Kopf.

Endlos erscheinende Headspins und die gesamte Klaviatur der Breakdance-Stile von Powermoves bis Freezes servierten die Tänzer mit quietschenden Turnschuhen und einer Lässigkeit, als wäre es das normalste der Welt, wenn man sich buchstäblich drehen und wenden kann, wie man will. In Wahrheit präsentierten sie natürlich härteste Knochenarbeit. In den Momenten, wo man nicht fassungslos das meist rasante Geschehen verfolgte, sorgte man sich, wie diese begnadeten Körper all das aushalten, was ihnen da zugemutet wird.

Breakdance in dieser Vollendung

Breakdance in dieser Vollendung ist an sich schon eine wahre Kunst. Doch bei dieser Show wird der Schwierigkeits-grad durch die Verbindung zu Bach erhöht. Alle Beteiligten, neben den Tänzern auch der als Opernregisseur erprobte Ideengeber und künstlerische Leiter Christoph Hagel, verzichten nämlich auf fadenscheinige Bezüge, sondern nehmen die Sache wirklich ernst: Note für Note, Ton für Ton, Takt für Takt wurde Bachs Musik in beachtlicher Perfektion auf den Tanz übertragen. Die Breakdancer tanzten nicht zu Bach, sondern sie tanzten tatsächlich Bach – und zwar zum „Wohltemperierten Klavier“sowie zu den „Präludien & Fugen 1-12“. Hintergründe zur Musik, zum Tanz und zur gar nicht so einfachen Zusammenführung der beiden Welten erklärte ein freundlicherweise kostenlos verteiltes informatives und unterhaltsames Programmheft.

Der Großteil der ausgefeilten Choreografien war buchstäblich für die Füße, die unglaublich flink und synchron agierten. Dazu kam es immer wieder zu Szenen, in denen die Tänzer tatsächlich zu fliegen schienen. Eingebettet war das faszinierende Geschehen, bei dem die filigranen Bach-Töne auf Klavier und Cembalo gelegentlich von fetten elektronischen Beats abgelöst wurden, in eine leicht und beiläufig erzählte Story, in der eine mysteriöse Frau in die Welt der Tänzer eintritt. Kleine Erholungspausen lieferten Passagen, die auf Leinwand übertragen wurden. Am Ende gab es Riesenjubel für eine gelungene Grenzüberschreitung, die sogar mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet wurde – und als Dankeschön beeindruckende Zugaben von spielfreudigen und energiestrotzenden Akteuren.

Bis 17. Februar. Karten sind wieder erhältlich.

Quelle: op-online.de

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