Form des Jahrhunderts

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Dieter Rams ist einer der prägenden Gestalter des 20. Jahrhunderts.

Frankfurt - „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich“, lautet eine der Thesen von Dieter Rams, dessen reduzierte Entwürfe prägend für das Gesicht des Elektronik-Herstellers Braun und die Produktgestaltung im 20. Jahrhundert waren. Von Carsten Müller

Das Frankfurter MAK – Museum für Angewandte Kunst erhält nun anlässlich des 80. Geburtstags von Dieter Rams 243 Exponate der „Braun Collection“ als Dauerleihgabe für seine Sammlung, darunter alle erhaltenen Modelle der Rams-Ära sowie nicht realisierte Studien.

Braun Uhrenradio „ABR 21 Signal Radio“, 1978, Detail, Design von Dieter Rams und Dietrich Lubs

„Wir sind die ungleich Beschenkteren“, meinte MAK-Chefkurator Matthias Wagner K anlässlich der formellen Übergabe der Stücke, die seit 2008 in der Ausstellung „Less and More – Dieter Rams“ durch die Museen der Welt gereist sind und dabei 350. 000 Zuschauer fanden. Nicht ausschließlich Design-Fachleute, sondern Fans und Freunde guten Geschmacks, die sich nach wie vor für Rams’ Entwürfe begeistern.

Dieser hatte schon zur Eröffnung der Ausstellung im MAK 2010 die Hoffnung geäußert, die Sammlung möge eine dauerhafte Bleibe in Frankfurt finden, Heimatstadt von Max Braun, der das Unternehmen 1921 in der Bockenheimer Jordanstraße gründete. Mitte der fünfziger Jahre landete Rams, der eigentlich ganz andere Karrierepläne als Innenarchitekt hatte, „aus reinem Zufall“ bei der Firma, die mittlerweile ihr Portfolio vom Apparatebau auf Rundfunkgeräte ausgedehnt hatte und unter anderem zusammen mit der Ulmer Hochschule für Gestaltung Design stärker zum Thema ihrer Produkte machte.

„Schub für die Design-Forschung“

Von Dieter Rams und Hans Gugelot stammt der Entwurf für die Radio-Phono-Kombination Super SK4, 1956, wegen ihrer Plexiglasabdeckung Schneewittchensarg genannt.

1961 übernahm Rams die Leitung der Design-Abteilung und prägte für Jahrzehnte den Auftritt der Marke, hatte aber auch weiterhin Freiheiten, für die ebenfalls in Frankfurt gegründete und heute in London ansässige Manufaktur vitsoe Möbel zu entwerfen, von denen einige per Schenkung jetzt ebenfalls an das MAK gingen, das Dieter Rams’ Wirken und Werk künftig wissenschaftlich aufarbeiten wird.

Rams freute sich, dass die Stücke dort gelandet sind, „wo sie hingehören“. Für ihn sei wichtig, dass gutes Design als Beispiel permanent sichtbar sei, weil es das geeignetste Mittel sei, „die Bedeutung von Alltagskultur zu verdeutlichen“. Rams wünscht sich das MAK künftig als „Zentrum für Diskussionen über anspruchsvolles und sinnhaftes Design“.

Chefkurator Matthias Wagner K sah in der Übernahme der Dauerleihgabe einen Paradigmenwechsel für sein Haus, zumal die Gestalter des Neuen Frankfurt, zu denen Dieter Rams zähle, bisher eine „Leerstelle im Museum“ gewesen seien, die nach der Neu- und Umgestaltung im Winter mit der Neupräsentation der erweiterten Sammlung im März 2013 endlich gefüllt werden könne. „Es ist Aufgabe des MAK das gute Alte und das beste Neue zu zeigen.“ Und Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth unterstrich, dass Design künftig einen besonderen Stellenwert im MAK einnehmen werde, wovon er sich einen „Schub für die Design-Forschung“ erhoffe.

Quelle: op-online.de

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