Frankfurter Freiluftfestival „Stoffel“

Kultur zum Nulltarif

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Martha Richards und Filippo Tiberia beschreiten bei der elften Auflage des Openair-Festivals musikalisch neue Wege.

Frankfurt - Vergangenes Jahr feierte der „Stoffel“ seinen zehnten Geburtstag. Ein Jubiläum, das so kaum einer erwartet hatte. Von Detlef Kinsler

Denn als die Betreiber des Stalburg Theaters 2004 die Wiese im nördlichen Günthersburgpark zum Festivalgelände erkoren, erklärten nicht wenige Michi Herl, Herbert Huber und Petra Gismann für verrückt.

Einen Monat lang während der Theaterferien täglich Kultur zum Nulltarif anzubieten, „ein normaler Veranstalter hätte sofort abgewunken“, kommentiert Gismann von der Stalburg-Geschäftsleitung. Aber das „Stalburg Theater offen Luft“ wurde schnell zum Kult und als Frankfurts größte Gartenparty ein unverzichtbarer Bestandteil des Freizeitangebotes am Main. Letztes Jahr gab es einen Rekord. Geschätzte 80 000 Besucher genossen bei meist schönstem Wetter ein „Best of...“ der Künstler der vergangenen Jahre, lauschten Lesungen, hörten Livemusik, trafen Freunde, machten Picknick, standen geduldig in den Schlangen für Bier, Wein, Bio-Bratwurst und Halloumi und warfen ihre Spende in einen der roten Eimer.

„Obwohl es an manchen Tagen sehr voll war, hatten wir auf dem Platz immer eine entspannte Atmosphäre. Das macht dich auch als Macher total glücklich“, erinnert sich Martha Richards. Im Theater in der Glauburgstraße ist sie für die Kasse verantwortlich. Mit Filippo Tiberia, der die Theatertechnik betreut, hat sie die Programmplanung Musik von Herbert Huber übernommen. Der wollte nach einer Dekade mal durchatmen.

Unfassbarer Aufwand

The Great Bertholinis geben den Startschuss

Voller Vorfreude sehen sie dem morgigen Freitag entgegen, wenn das Absintho Orchestra und The Great Bertholinis den Startschuss geben. „Sobald der Stoffel angefangen hat, ist das wie ein Perpetuum Mobile, dass dann auch nicht mehr gestoppt werden kann. Den ganzen Vorlauf, den kriegt das Publikum ja nicht mit, was für ein unfassbarer Aufwand das ist“, erzählt Richards. „Im November fangen wir mit der Auswahl an, bis Ende April müssen wir damit durch sein“, setzt Tiberia den zeitlichen Rahmen. Unzählige Bewerbungen gilt es zu sichten. Die kommen nicht mehr nur aus dem Rhein-Main-Gebiet, sondern längst aus ganz Deutschland, sogar dem Ausland. „Wir hören uns alles komplett an und speisen auch niemanden mit einem Serienbrief ab.“ Respekt für die Kollegen ist für Tiberia eine Selbstverständlichkeit, schließlich ist er selber Sänger, unter anderem bei den legendären U-Bahnkontrollören in tiefgefrorenen Frauenkleidern.

Für die nächsten vier Wochen haben Richards und Tiberia die Karten neu gemischt. Die üblichen Verdächtigen, die das etwas andere Volksfest über die ganze Zeit loyal begleiteten, machen diesmal Pause. Das Duo beweist Mut. Mit mehr Country beispielsweise, ja sogar Piano-Jazz. „Wir beide sind auch Freunde der Jazzmusik. Warum soll man das nicht auch mal anbieten“, schmunzelt Tiberia. Mathias Schabow, Triofus und Gernot Dechert & Double Bass sind sicher Herausforderungen für das Publikum, genauso wie stilistisch schwer zu kategorisierende Gruppen, die zuletzt auf dem Fusion Festival überzeugten wie Three Fall, Sensi Simon And His Brother und die Gäste aus Argentinien, Rosario Smowing.

Risiko von 100.000 Euro

Auf echte Partygaranten, gerade an Wochenenden, müssen die Stoffelaner nicht verzichten. El Maachi, Lick And A Promise oder The Limpets - mal Maghreb, mal Westcoast, mal Grüne Insel: „Das ist alles viel tanzlastiger“, verspricht Tiberia. Auch wenn ohne Druck ein bunter Strauß an Musikstilen gebunden werden konnte, gilt es Gäste zu locken und bei Laune zu halten. Denn deren Abgabe eines „freiwilligen Eintritts“ ist zu Zeiten weiter zurückgehender Sponsorengeldern wichtig. „Wir sind mit mindestens 100 .000 Euro im Risiko. Das kann das Theater eigentlich gar nicht tragen, tun wir aber. Ein verregneter Sommer kann uns allerdings dann auch den Hals brechen. Aber bisher haben wir immer noch alles hinbekommen.“

Stoffel 2014, vom 18. Juli bis 17. August im Frankfurter Günthersburgpark, jeweils ab 18 Uhr, Eintritt frei. Infos unter www.stalburg.de

Quelle: op-online.de

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