Simon Dennys Installation „New Management“

Im Sog der Globalisierung

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Globaler Wettbewerb hautnah 

Frankfurt - „Change begins with me“ („Der Wandel beginnt bei mir“) – diese Aufforderung zur beständigen Selbstoptimierung ist Teil der 1993 von der südkoreanischen Technologiefirma Samsung in einem Hotel in Gravenbruch formulierten, als „The New Management“ bezeichneten neuen Firmenphilosophie. Von Eugen El

Die „Frankfurter Erklärung“ („Frankfurt Declaration“) des Samsung-Chefs Lee Kun-hee und ihre Folgen sind Thema einer raumgreifenden Installation des 1982 in Auckland (Neuseeland) geborenen, in Berlin lebenden Künstlers Simon Denny im Frankfurter Portikus. .

Dennys Installation integriert unterschiedliche Gegenstände und Medien. So ist zum Teil der Konferenzraum des Hotels nachempfunden, in dem die Erklärung vorgestellt wurde. An einer Seitenwand angebrachte Tafeln aus Plexiglas informieren in Bild und Text über die Geschichte des südkoreanischen Unternehmens. Ein Schaukasten demonstriert die Entwicklung der Samsung-Mobiltelefone von 1994 bis in die Gegenwart. Ein integraler Bestandteil der Installation sind mehrere beständig surrenden Klimageräte, die mit Comics bedruckt sind. Es handelt sich um ins Englische übersetzte Ausschnitte aus einem zur Vermittlung der neuen Managementphilosophie entstandenen Comicbuch. Sie erzählen in einer fast martialischen Sprache von den Herausforderungen des im Zuge der Globalisierung verschärften wirtschaftlichen Wettbewerbs. So werden die Mitarbeiter dazu aufgerufen, in die Welt zu gehen, von ihr zu lernen, damit ihre Firma besser werden kann. Auch eine Aufforderung zu „hundertprozentiger Qualität“ ist zu lesen. Den Comics begegnet man auch an weiteren Stellen von Dennys Installation.

Installation mit Doppelcharakter

Die im Portikus gezeigte Arbeit mag auf den ersten Blick wie eine museale Verbeugung vor Samsungs Erfolgsgeschichte erscheinen. Dennoch wird schnell klar, dass es Denny um ein Beispiel geht, an dem sich die Effekte der Wirtschaftsglobalisierung zeigen lassen. Schließlich sind die Maximen, die die Verantwortung des Einzelnen und den Aspekt des Wettbewerbs betonen, spätestens seit den Agenda-Reformen auch in Deutschland zum Allgemeingut geworden. Zudem beschränkt sich Dennys Installation nicht auf ihren Informationsgehalt. In der Wahl der Materialien und Gegenstände und deren Anordnung im Raum entfaltet sie eine ausgeprägte skulpturale Qualität.

Der Doppelcharakter der Installation ist typisch für Simon Dennys Werk. Es ist nicht das erste Mal, dass er eine umfassende Recherche zur Geschichte einer Institution unternimmt und dabei Experten einbezieht. Für seine Installation hat er ein Jahr geforscht. Simon Dennys Ausstellung ist auch eine Rückkehr: bis 2009 studierte er an der Städelschule. Das nächste Projekt des Künstlers ist der neuseeländische Pavillon der 2015 stattfindenden, 56. Biennale von Venedig.

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Simon Denny „New Management“ bis 7. September im Frankfurter Portikus. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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