Museum für Angewandte Kunst

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Möbeldesign aus Frankfurt: Regalsystem 606, Dieter Rams, Vitsoe, 1960

Frankfurt  - "Mit „Weniger, aber besser“ hat der bedeutende deutsche Industriedesigner Dieter Rams einmal sein Designethos auf eine griffige Formel gebracht.  Von Christian Riethmüller

Ukiyoe von Ando Hiroshige aus dem Jahr 1855  

Sie könnte auch den Zustand des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt beschreiben, das am Freitag nach fünfmonatiger Umbaupause wiedereröffnet wird. Am Mittwoch durften sich die ersten Besucher des strahlend weißen Museumsbaus am Schaumainkai schon einmal verwundert die Augen reiben. Von all den Verbauungen, Zwischenwänden und abgehängten Decken, die in den vergangenen 27 Jahren in das Gebäude eingefügt worden waren, ist nichts mehr zu sehen. Die ursprünglichen Sichtachsen und Blickwinkel des vom amerikanischen Stararchitekten Richard Meier entworfenen Museumsbaus sind wiederhergestellt, das Gebäude wirkt transparent. 
In den Originalzustand versetzt und mit einem neuen, von Architekt Thibaut de Ruyter entwickelten Präsentations- und Raumkonzept versehen, wird das Museum künftig auch einem anderen Ausstellungskonzept folgen: „Wir lösen uns vom klassischen Gegensatzpaar Dauerausstellung - Sonderausstellung und schaffen stattdessen mit thematischen Ausstellungen von unterschiedlich langer Dauer Beziehungen zwischen dem was war, was ist und dem, was sein wird“, kündigte Museumsdirektor Matthias Wagner K an.

Sammlungsbestand umfasst etwa 65 000 Exponate

Flasche aus dem Iran, 17. Jahrhundert

In immer neuen Konstellationen sollen die hauseigenen Sammlungsbestände, die etwa 65 000 Exponate umfassen, sowie Leihgaben anderer Institutionen präsentiert werden, um diesen „ihre Geschichte zu entlocken, das Fremde, Ungewöhnliche und Wieder-zu-Entdeckende an ihnen aufzuzeigen“, hat sich das Museum vorgenommen. Wie die Anwendung einer Sammlung im Gegensatz zu ihrer reinen Präsentation funktioniert, kann ab diesen Freitagabend in gleich vier thematischen Ausstellungen begutachtet werden. Am weitesten in der Geschichte zurück führt dabei die Schau „1607. Aus den frühen Tagen der Globalisierung“, die eine Weltreise in eine Zeit des Umbruchs und der Entdeckungen unternimmt. Am Beispiel eines fiktiven Seefahrers und in einer sehr anschaulichen, an einen Schiffsrumpf erinnernden Ausstellungsarchitektur sind gut 200 Kunstgegenstände aus aller Welt wie chinesische Ming-Vasen, venezianische Gläser, japanische Lackdosen, persische Teller und deutsche Humpen drapiert, von denen einige tatsächlich aus dem Rumpf eines gesunkenen Schiffes geborgen wurden.

Design Klassiker im "Frankfurter Zimmer"

Koreanisches Design: Bushaltestelle in Seoul

Ebenfalls zurück blickt die Schau „Weniger, aber besser. Design in Frankfurt 1928 bis 1985“, die in einem fiktiven „Frankfurter Zimmer“ Design-Klassiker von Ferdinand Kramer und Dieter Rams zeigt und daneben auch die hohe Kunst des Grafikdesigns in der Region an Beispielen von Günter Kieser und Gunter Rambow vorführt. Den „Frankfurt Design Spirit“ kann der Besucher dann mit jenem Geist vergleichen, der gut 8560 Kilometer Luftlinie vom Main entfernt in Korea herrscht. Das ostasiatische Land ist nicht nur eine der führenden Industrienationen der Welt, sondern auch im Begriff, eine ganz eigene Designidentität herauszubilden. Diese Entwicklung zeigt die Ausstellung „Korea Power. Design und Identität“, die auch einen faszinierenden Einblick in ein vergleichsweise unbekanntes Land ermöglicht.

„Terra incognita“ betraten auch westliche Besucher des Japan des 19. Jahrhunderts. Lange Zeit hatte sich das Land fast völlig abgeschottet, und seine Kunst und seine Lebensart waren für den Westen Neuland. Den künstlerischen Wert der Ukiyoe-Holzschnitte erkannte man schnell, die ein auch heute noch faszinierendes Spiegelbild des Lebens im Japan des 17. bis 19. Jahrhunderts zeigen. Das Museum für Angewandte Kunst nennt mit den Sammlungen Johann Georg Geyger und Otto Riese zwei der hochwertigsten Sammlungen dieser japanischen Kunst ihr eigen, die nun in der Schau „Das pralle Leben“ gezeigt werden. www.museumangewandtekunst.de

Quelle: op-online.de

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