„Caricatura VI“

Elegant und brachial

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„Wie die Gentlemen ausstarben“ von Schilling & Blum.

Frankfurt - Schon komisch, diese uralten Datenträger. Voller Buchstaben, doch meist ohne Bilder, und ins Internet kommt man mit diesen Büchern auch nicht. Das Frankfurter Museum für Komische Kunst zeigt die „Caricatura VI“. Von Christian Riethmüller

Tobias Schülerts hier abgebildete Karikatur verweist nicht nur auf die breiter werdende Kluft zwischen analoger und digitaler Welt, sondern indirekt auch auf eine grundsätzliche Frage des Künstlers: Wie kommen dessen Werke zu den Betrachtern an den Bildschirmen?.

Mit dieser Frage beschäftigt sich nun auch das Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt in seiner neuen Ausstellung „Caricatura VI - Die Komische Kunst analog, digital, international“, die in einem großen Überblick das aktuelle Schaffen von 105 Karikaturisten aus sieben europäischen Ländern zeigt. Fast die Hälfte der Arbeiten bekommt der Betrachter aber nicht mehr in klassischer Präsentationsform, sprich als Zeichnung oder Gemälde an der Wand oder als Objekt in der Vitrine, sondern in digitaler Form vorgesetzt. Diese kann man an verschiedenen festinstallierten Tablet-PCs im Erdgeschoss des Museums betrachten. 229 Werke werden derart präsentiert, die allerdings nicht alle komplett digital entstanden sind. Meist zeichnen die Karikaturisten noch auf Papier und scannen dann das Blatt ein, um dann die Zeichnung am Computer zu bearbeiten und auch an den jeweiligen Empfänger - etwa einen Verlag oder ein Online-Portal - zu versenden. Neben diesen digitalisierten Arbeiten zeigt die Schau 256 Zeichnungen und Objekte, die quasi „analog“ an den Wänden hängen oder in den Vitrinen im Zwischengeschoss ausgelegt sind.

Europäische Karikaturisten

Im Gegensatz zu seinen sonstigen Ausstellungen hat das Caricatura Museum diesmal eine Schau aus Kassel übernommen. Dort wird seit 1987 parallel zur Weltkunstausstellung documenta im Fünfjahresrhythmus die Komische Kunst einer Bestandsaufnahme unterzogen. Achim Frenz, Leiter des Frankfurter Caricatura-Museums, gehört zu den Mitbegründern dieser Kasseler Caricatura, was den innerhessischen Austausch nahelegte.

„Danke...“ von Tobias Schülert.

Zu sehen sind die Arbeiten von Karikaturisten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aus Belgien, Großbritannien, Island und den Niederlande, die sich Themenfeldern wie Politik, Wirtschaft, Religion, Kunst und natürlich Sex widmen - elegant und brachial, verschmitzt und direkt und - fast immer - hochkomisch. Vertreten sind weithin bekannte Meister wie Greser & Lenz, Rattelschneck, Franziska Becker, Gerhard Haderer, Rudi Hurzlmeier, Michael Sowa, Til Mette, Erich Rauschenbach, Martin Perscheid, Joscha Sauer, Tetsche und TOM, aber auch jüngere Talente wie die aus Alzenau stammenden Elias Hauck und Dominik Bauer, der gebürtige Pole „adam“ oder Michael Holtschulte aus Herten.

Eine Entdeckung wert sind auch die internationalen Künstler, die teils wesentlich galliger und auch tabuloser als ihre deutschen Kollegen mit ihren Sujets umgehen. Ob sie nun auf Papier oder auf einem Bildschirm gezeigt werden, spielt dabei keine Rolle. Der souveräne Medienrezipient muss bei beiden Präsentationsformen immer wieder lachen.

Weitere Informationen: Die Schau „Caricatura VI“ ist bis 3. März 2013 im Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt, Weckmarkt 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Di - So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 21 Uhr. Der empfehlenswerte Katalog kostet 19,90 Euro

Quelle: op-online.de

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