Zurück zu Europas Wiege

Frankfurt - So viel auch mit dem Euro und Griechenland hin- und her manipuliert wird, eines sollte man wissen: Die Wiege Europas stand im antiken Griechenland und angrenzenden Mittelmeerraum. Von Reinhold Gries

Da genügen wenige Blicke in die Sonderschau „Griechen, Etrusker und Römer“ im nun 75 Jahre alten Archäologischen Museum Frankfurt - oder in dessen Antiken-Dauerausstellung - und man sieht es. Wer es genauer wissen will, dem sei der 500-seitige neue Katalog zum Museumsjubiläum empfohlen. Darin kann man den Weg gehen von der mediterranen Eisenzeit in die archaische Zeit von Athen und Sparta, dann vom klassischen Athen zum hellenischen Großgriechenland bis hin zum Kulturtransfer nach Etrurien und in die Campagna, in die römischen Republik und das römische Imperium.

An Schätzen hat es da keinen Mangel im Frankfurter Antikenerbe, beruhend auf privaten Sammlungen und Bürgerengagement. Das führte dazu, 1937 die „heimische Vor- und Frühgeschichte“ aus dem Historischen Museum auszugliedern und einem neuen Museum anzuvertrauen. Dieses sollte eigentlich ein Haus für antike Kleinkunst werden. Es wurde ein eher buntgescheckter Bestand, der jedoch viele Höhepunkte hat, deren Vergleichsstücke sich im Louvre befinden.

Spitze des Eisberges

Die Sonderschau ist quasi die Spitze des Eisberges, den man nie ganz sieht: Da findet man spätkorinthische Aryballoi - Salbgefäße mit Tierfriesen und großen Ornamenten – neben Keramik aus Campanien mit Dellen- oder Ritzdekor. Die man in Italien fand, hatten auch noch etwas Griechisches an sich. Das „Finden“ waren oft auch wilde Ausgrabungen, deren Beute rücksichtslos über Europa und Amerika verstreut wurden. „Unwissenschaftlich“ waren auch derartige Grabplünderungen im Stadtgebiet von Capua, bei denen man viele Reste von Dachdeckungen antiker Tempel und Tempelchen fand. Dafür stehen die magischen Antefixe zu Gorgonen und Mädchenköpfen, die einst in langer Reihe vom Dachrand herunterschauten.

Unbekannt ist auch der Fundort italischer Votivgaben aus Terrakotta. Derlei Rinder, Pferde und Schweine gehörten zwar nicht zu den wertvollen Tempelschätzen, gingen aber als erschwingliche Tonfiguren bei normal Sterblichen mit ins Grab, um das vergangene Leben zu zeigen. Dazu passt Haushaltskeramik aus dem verschütteten Pompeji: Kleinamphoren, Töpfe, Becher und Deckel.

„Ich habe ein Auge auf dich“

Manch Griechisch-Römisches wirkt noch ägyptisch beeinflusst wie die Mumienmaske eines Knaben oder das Mädchenkopfgefäß aus der Gegend von Kairouan. So etwas findet sich bis in christlich-spätrömische Zeit, obwohl man in der Römerzeit vom archaischen Gesicht zum Porträthaften überging. Aus dem östlichen Mittelmeerraum, auch aus Palästina, stammen spätantike Aryballoi aus Bronze und Glas mit meisterlich ausgeführtem Kreisdekor. Darin bewahrten edle Damen und Herren Parfüme und Öle auf. Diese antiken Schichten konnten sich auch den Schmuck leisten, den man in Gräbern der Vesuv-Städte ergraben hat: Armbänder und Ohrringe aus Goldkugeln, massive Armreife aus Gold oder Gagat mit Goldmanschette oder einen Goldring mit Eroten-Figürchen, unter denen steht: „Vidi te“ – „Ich habe ein Auge auf dich“. Auf diese Ausstellung sollte man auch ein Auge werfen.

Die Schau „Griechen, Etrusker und Römer“ ist vom 19. Mai bis 14. Oktober im Archäologischen Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 10 -18 Uhr, Mi 10 - 20 Uhr. Weitere Infos

www.archaeologisches-museum.frankfurt.de

Quelle: op-online.de

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