Simon Stephens’ Stück „Punk Rock“ verliert sich in Klischees

Angst essen Stück auf

Frankfurt - Fabian Gerhardts Inszenierung „Punk Rock“ im Bockenheimer Depot des Schauspiels Frankfurt erzählt von den spätpubertären Qualen sieben jugendlicher Oberstufenschüler, deren Leben im Gewaltexzess endet. Von Christina Lenz

Sie basiert auf einem 2009 entstandenen Text des britischen Dramatikers Simon Stephens und zeigt eine Welt voll von Unsicherheit, Sehnsucht und Aggression. Schon nach ein paar Minuten sind Figuren und Hackordnung auf der einen Bibliotheksraum darstellenden Bühne klar umrissen: der fiese Leithammel Bennett foppt gern den sensiblen Grübler William, quält aber am liebsten Chadwick, den hochbegabten Freak. „Hattest du in deinem ganzen Scheißleben schon einmal eine Freundin, Chadwick? Weißt Du, irgendwann fallen sie ab, sie vertrocknen und fallen ab.“ So erniedrigt Bennett den Außenseiter, der am liebsten über fremde Galaxien und Antimaterie doziert. Von den Mädchen ist vor allem die etwas naive Tanya sein Opfer, der er Sätze wie „Du bist fett, Tanya!“ hinknallt. Sissy, die ehrgeizige Streberin, ist seine Freundin. Lilly, neu an der Schule und außerdem attraktiv, ist dagegen noch von Bennetts Mobbing verschont. So simpel und brutal teilt sich diese Welt auf. Es wird schließlich der Grübler William sein, der aus unerwiderter Liebe zu Lilly und nach unzähligen Gehässigkeiten Amok läuft.

Im Programmheft heißt es, Stephens habe sein Stück als Reaktion auf die Schulmassaker in Columbine und Winnenden, als Auseinandersetzung mit dem „Albtraum des 21. Jahrhunderts – aus seiner Angst heraus“ geschrieben. Vielleicht ist Angst keine gute Ratgeberin bei originellen Stückentwürfen, denn Inszenierung wie Text nähern sich dem Thema eher ratlos und anhand psychorealistischer Klischees. Die Figuren werden von Beginn an in Schubladen gesteckt und durchlaufen auch danach keine merkliche Entwicklung. Das Stück gibt vor, die Jugendlichen verstehen zu wollen, verliert sich aber in einer hilflosen Betroffenheitsgeste. Und die Punk-Musik im Hintergrund verkommt zum Klischeesymbol für eine letztlich stereotype Jugend.

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Laut Programmheft soll sie von „Dissonanzen und Anklängen von Wut, Sex und Liebe“ erzählen. Doch bleibt die Welt der Schüler so durchschnittlich wie eine Vorabend-Soap. Unbeholfene Verführungsversuche zwischen den Geschlechtern wechseln sich ab mit Demütigungen und Machtspielen zur Aufrechterhaltung einer primitiven Hackordnung. Manche Szenen dehnen sich in ihrer Vorhersehbarkeit so langsam wie die rosarote Kaugummiblase im Mund eines Schulmädchens. Am Ende platzt alles, es rührt sich aber kein echtes Mitleid. Vielmehr fehlt der Massaker-Szene die Herleitung, man nimmt dem vermeintlich dramatischen Höhepunkt seine Tragik einfach nicht ab. Die Nachwuchsschauspieler von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ragen dagegen schauspielerisch oft über die Flachheit der von ihnen verkörperten Figuren hinaus. Der einmal im Stück geäußerte Satz „Du redest wie eine Filmfigur, wie im Comic“, ist nicht selbstironisch gemeint, könnte aber das Schablonenhafte dieses Theaterabends gut beschreiben.

  • Weitere Aufführungen von „Punk Rock“ am 23., 25., 27., 28. und 30. März

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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