Frankfurt verspricht viele frische Bilder

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Gefragte Hochhausschluchten: Mainhattan muss für finnische Filmemacher auch mal als Manhattan herhalten.

„Action!“ schallt es über das verschneite Werftgelände am Frankfurter Mainufer. Knatternd fährt ein mit Graffiti bunt besprühter VW-Bully vor, die Tür des Busses fliegt auf und ein uniformierter Mann mit Hakenkreuzbinde zerrt eine junge Frau heraus.

Die leicht surreal wirkende Szene ist Teil einer verrückten Filmidee aus Finnland: In der schwarzen Sciencefiction-Komödie „Iron Sky“ geht es um Nazis, die vom Mond auf die Erde kommen. Der Film ist eine von zehn großen Kinoproduktionen, die 2010 in Hessen gedreht wurden. Vor allem Frankfurt erfreut sich mit seinen Hochhäusern als Filmkulisse wachsender Beliebtheit.

In „Iron Sky“ simuliert die hessische Stadtkulisse die New Yorker Innenstadt. Die Neue Mainzer Straße im Bankenviertel ist mit ihren Häuserschluchten ideal geeignet, dem Kinozuschauer das Straßenbild der Weltmetropole vorzugaukeln. Ein paar amerikanische Yellow-Cab-Taxis sind dabei hilfreich. Für eine Explosionsszene wird die Straße sogar komplett gesperrt. „Nicht viele Städte in Europa könnten das leisten“, sagt der finnische Regisseur Timo Vuorensola begeistert.

Die finnisch-deutsch-australische Koproduktion „Iron Sky“ ist ein 6,8-Millionen-Euro-Projekt. Der aus einem James-Bond-Film („Der Morgen stirbt nie“) bekannte und aus Dietzenbach stammende Götz Otto spielt einen Mond-Nazi. Gerade sind die Dreharbeiten in Deutschland abgeschlossen worden, das Team zieht nach Australien weiter. Ein Grund für den Dreh in Frankfurt „ist natürlich die Förderung“, wie Produzent Tero Kaukomaa einräumt. Das vom Land aufgelegte Programm HessenInvestFilm schüttet über einen Zeitraum von vier Jahren 20 Millionen Euro aus. Allein in diesem Jahr wurden Projekte mit mehr als 3,4 Millionen Euro unterstützt. „Iron Sky“ bekam rund 700.000 Euro.

„Seit HessenInvest darauf achtet, dass im Gegenzug für Fördermittel auch Drehs in der Region stattfinden, ist die Zahl der Filme deutlich angestiegen“, sagt Kathrin Ahrens von der Hessischen Filmförderung. Zehn Kinofilme seien dieses Jahr zumindest teilweise auch in Hessen entstanden – ein neuer Rekord. 2007 und 2008 seien es nur je zwei Filme gewesen, 2009 dann immerhin schon sieben.

In diesem Jahr wurden auch die Filme „What a Man“ mit Matthias Schweighöfer oder „Homies“ mit Jimi Blue Ochsenknecht in Frankfurt abgedreht. Beide Filme entstanden sogar fast komplett in Hessen. Die Stadt am Main ist für die Filmemacher nicht nur wegen der Hochhäuser interessant, meint Ahrens: „Die Stadt verspricht auch neue Kinobilder.“ Andere Metropolen wie Köln oder München kenne der Zuschauer inzwischen. Dies habe sich auch bei Produzenten herumgesprochen.

Neben der Wirtschaftsförderung für HessenInvestFilm gibt es noch die kulturell orientierte Hessische Filmförderung von Land und Hessischem Rundfunk. Mit 1,1 Millionen Euro hat sie ein eher kleines Jahresbudget, das außerdem an zahlreiche Empfänger verteilt wird. Auf der anderen Seite will HessenInvest von seiner Förderung auch etwas zurückhaben - erst Zinsen und später eine Gewinnbeteiligung, falls der Film zum Erfolg wird.

Dass es 2010 so gutlief, hat nach Ansicht von Arens auch mit der kontinuierlichen Werbung für Region und Filmstandort in den vergangenen Jahren zu tun. Arens rührt für Hessen regelmäßig die Trommel auf Festivals wie der Berlinale oder den Filmfestspielen von Cannes. Wie Frankfurt sich als New York macht und was die Mond-Nazis am Mainufer genau vorhaben, das können die Zuschauer 2012 sehen. Dann soll „Iron Sky“ in den deutschen Kinos anlaufen.

dpa

Quelle: op-online.de

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