Verheißung des Lebens

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„Woman in tub“ (1988) vor Robbias Altar. © Koons

Frankfurt - Kitsch und Banalität: In der Begegnung mit dem Werk von Jeff Koons liegen diese zwei Begriffe nahe. Für den 1955 geborenen US-Künstler spielen solche Zuschreibungen eine untergeordnete Rolle. Von Carsten Müller

Seine Kunst soll offen sein, will sich Urteilen enthalten, definiert als performativer Akt zwischen Betrachter und Künstler einen Augenblick, der die Chancen und Möglichkeiten des Lebens reflektiert. Die Kunsthalle Schirn und das Skulpturenmuseum Liebieghaus widmen dem Amerikaner in Frankfurt eine außergewöhnliche Doppelausstellung mit 45 Bildern und ebenso vielen Skulpturen, darunter sechs Arbeiten, die bisher noch nie gezeigt wurden.

Max Hollein, Leiter der beiden Häuser, spricht von einem „faszinierenden malerischen und skulpturalem Oeuvre“, das in verschiedenen Werkgruppen aus dreißig Jahren zum Vorschein kommt. Von den in Öl gedruckten, werbenden „Maschinenbildern“ der 80er Jahre bis hin zur Gegenwart erstrecken sich das monumentale Panorama in der Kunsthalle auf dem Römerberg.

Skandalträchtige Bilder

Darunter sind skandalträchtige Bilder wie die Serie „Made in Heaven“ aus den 90er Jahren. Die in einem Separee versammelten Bilder zeigen den Künstler im expliziten Liebesakt mit der italienisch-ungarischen Pornodarstellerin Ilona Staller, die später seine Ehefrau wurde. Oder auch die ersten handbemalten Leinwände der Reihe „Celebration“ mit auf lackierten Folien in perfektionistischer Manier aufgetragenen kindlichen Motiven, die in der lichtdurchfluteten Kunsthalle erstrahlen

Optimismus und Helligkeit strahlen die wandhohen Formate in der Kunsthalle Schirn ab.

Offenheit, Strahlkraft, Helligkeit und Optimismus, so Kurator Matthias Ulrich, gehen von den überdimensionalen Leinwänden aus, die Motive aus der reizgefluteten Alltags- und Konsumwelt wie der Hochkultur zerschneiden, collagieren, hyperreal wiedergeben und auf verschiedene Bildebenen farbsatt übereinander montieren. Koons bedient sich dabei bildbearbeitender Software, lässt die Komposition danach von Teams auf Leinwand übertragen. In den jüngsten Arbeiten der Reihe „Antiquity“ sind es Strichzeichnungen wie von Kinderhand, die sich über Abbilder antiker Skulpturen vor grell-farbigen, amateurhaft wirkenden Hintergrund-Landschaften legen.

Einführung von einem „neuen Blick auf das Liebieghaus“

Max Hollein sprach in seiner Einführung von einem „neuen Blick auf das Liebieghaus“. Angesichts der von großen Werken der plastischen Kunstgeschichte umringten Skulpturen des Amerikaners in den Epochen- und Regionen-Räumen des Skulpturenmuseums kann man da nur zustimmen.

Makellose Plastiken aus glänzendem Stahl in der Barockabteilung; eine in der Wanne sitzende, kopflose Badende vor dem farbig-glasierten Terracotta-Altar des Andrea della Robbia; Michael Jackson und sein Affe Bubbles als vergoldete Porzellanfiguren inmitten ägyptischer Totenmasken; ein überdimensionaler „Popeye“ in metallisch-schillerndem Blau im Mittelaltersaal; zwei Aufblasfiguren des Comic-Helden „Hulk“, die im Keller eine asiatisch anmutende Glocke tragen: all das gipfelt in knallig-farbiger „Metallic Venus“ und „Balloon Venus“ – raumfüllende und überbordende Zeugnisse einer Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Aphrodite-Mythos.

„Jeff Koons: The Painter & The Sculptor“

Koons äußerte gestern in der Pressekonferenz: „Ich hoffe, dass man im Zusammenhang mit meinen Werken später an die Präsentation in den Frankfurter Museen denken wird“ Dass auch Frankfurt und die Region sich an Koons Präsentation erinnern werden, vor allem an die im Liebieghaus, dürfte so gut wie sicher sein. „Jeff Koons: The Painter & The Sculptor“ bis 23. September in der Kunsthalle Schirn, Römerberg, und dem Liebieghaus, Schaumainkai 71. Geöffnet: Dienstag und Freitag bis Sonntag von 10-19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10-22 Uhr.

Quelle: op-online.de

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