Volker Pispers in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Plädoyer fürs politische Kabarett

Frankfurt - Er ist einer der letzten Kabarettisten, die den Zusatz „politisch“ verdienen und mit viel Scharfsinn gesellschaftliche Missstände anprangern. Von Maren Cornils 

Umso erstaunlicher ist es, dass Volker Pispers, als er mit „Bis Neulich“ in der Jahrhunderthalle Höchst gastiert, selbige ebenso mühelos füllt wie Berufskollegen aus der seichten Comedy-Zunft. Programme von Pispers, das ist sein Markenzeichen, sind zwar unterhaltsam. Leichte Kost aber sind sie keinesfalls. „Politisches Kabarett. Das ist der Ort, wo Ihnen die Kritik am eigenen Lebenswandel um die Ohren gehauen wird. “.

Und so wettert der Düsseldorfer mit dem scharfen Blick und der noch viel schärferen Zunge gleich zu Beginn los, kritisiert die Arbeitsmarktpolitik („Es gab noch nie so viele Menschen, die Arbeit hatten. Und noch nie so viele, die davon nicht leben können“), die Einführung von Hartz IV und andere rot-grüne Vergehen. Sein Fazit: „Rot-Grün hat bewiesen, dass es – um diese ganzen neokapitalistischen Schweinereien zu begehen – überhaupt keine FDP mehr braucht.“ Doch wer jetzt glaubt, Schelte gebe es nur für Steinbrück und Co., sieht sich getäuscht.

Pispers nimmt kein Blatt vor dem Mund

Auch Merkel und ihr Regierungsteam kommen bei Pispers nicht gut weg. „Merkel ist wie Zahnfleischbluten. Es ist unangenehm, und man weiß, dass man etwas tun müsste, erträgt es aber irgendwie“, lästert der Kabarettist. „Warum zerreißt sich die Presse das Maul über Ebola, berichtet aber nie über die Zigtausenden, die an TBC, Malaria und Hunger sterben“, fragt Pispers. „Weil man Hunger nicht einschleppen kann!“ Auch für die Kirche als moralische Instanz hat er wenig übrig: „Religion, das ist doch was für Leute, die keinen Alkohol vertragen.“

Arabischer Frühling, Bundeswehr-Misere („Die Bundeswehr ist dazu da, den Feind an der Grenze so lange aufzuhalten, bis das Militär kommt“), ISIS-Terror, Berliner Airport-Debakel und Ukraine-Konflikt – für Volkers Pispers ein gefundenes Fressen, kann er doch hier seinem Faible für ausgefeilte und drastische Witze frönen, etwa wenn er die Scheinheiligkeit deutscher Wirtschaftspolitik entlarvt: „Ein Afrikaner, der mit einer deutschen Heckler & Koch niedergemäht wird, muss nicht vor Lampedusa ersaufen.“ Kein Blatt vor den Mund nimmt Pispers auch in Sachen Altersarmut. „Riester-Rente ist Volksverarsche“, konstatiert er zu tosendem Applaus und rechnet dann eigenhändig vor, wie viel im Alter zur Versorgung wirklich bleibt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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