Trödler-Herz am richtigen Fleck

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Große Entdeckungen: Thomas Hessdörfer als Kunstexperte und Erika Strotzki als Trödelhändlerin sind einem Rubens auf der Spur.

Frankfurt - Glück, so sagt ein altes Sprichwort, fällt einem nur selten in den Schoß. Von Maren Cornils

Frau Sperling, Inhaberin eines Sachsenhäuser Trödelladens, verkauft ihren Kunden schon einmal ein schlichtes Keramikdöschen als Porzellanobjekt aus der Ming-Dynastie oder gibt ein abgewetztes Polsterbett als Lager der Pompadour aus. Ihrem Verkaufstalent zum Trotz kommen Klara und Gatte Alexander mehr schlecht als recht über die Runden. Als jedoch eines Tages angeblich ein echter Rubens in ihrem „Raritätenkabinett“ entdeckt wird, wittert sie ihre große Chance. Klara steht zwar mit beiden Füßen fest auf dem Boden, träumt aber davon, endlich in die Liga der Antiquitätenhändler aufzusteigen.

„Frau Sperlings Raritätenladen“ heißt das Frühlingsstück des Volkstheaters Frankfurt, und tatsächlich geht es in Erwin Krekers Komödie vor allem um die Kunst des großen Bluffs, beziehungsweise darum, dass der Wert einer Sache immer im Auge des Betrachters liegt. Das von Peggy Lukac mit viel Spaß an kleinen Pointen inszenierte Stück lebt vor allem von einem liebevollen Bühnenbild (Rainer Schöne) und einer grandiosen Hauptdarstellerin.

Selten ein Blatt vor den Mund

Erika Strotzki gibt Klara als Frau, die das Herz am rechten Fleck hat, aber selten ein Blatt vor den Mund nimmt. Doch ihre mit Gier gepaarte Geschäftstüchtigkeit wird Sperling zum Verhängnis. Als sich eines Tages ein Kunstexperte Professor Dr. Weilersheimer (Thomas Hessdörfer) vorstellt und sich der alte Ölschinken als angebliches Rubens-Werk entpuppt, gehen alle Pferde mit Klara durch. Ohne auf die teure und im Voraus bezahlte Expertise zu warten, informiert sie die Presse, setzt Schwiegersohn Paul (Tino Leo) als rasenden Reporter auf die Story an – und hat am Ende das Nachsehen, denn das vermeintliche Kunstwerk ist alles, nur kein Rubens.

Doch Klara Sperling wäre nicht Klara Sperling, würde sie die Dinge nicht selber in die Hand nehmen und dem Glück nachhelfen. Unter dem Gejammer von Ehemann Alexander (Heinz Harth) läuft sie zur Bestform auf. Die Moral von der Geschicht’ lautet daher ganz klar: Nur wer sich vom Schicksal nicht so schnell klein kriegen lässt, kann seine Träume verwirklichen.

„Frau Sperlings Raritätenladen“ in der Inszenierung von Peggy Lukac ist ein temporeicher und äußerst vergnüglicher Theaterspaß, der es mit der Wahrheit nicht allzu Ernst nimmt und dabei auch ordentlich in Richtung Kunstindustrie austeilt. Dass man Klara Sperling bei aller Schlitzohrigkeit bewundert, ist Erika Strotzki zu verdanken.

Das Stück läuft noch bis zum 7. April im „Cantate-Saal“ des Volkstheaters Frankfurt. Karten gibt es unter Telefonnummer 069/288598.

Quelle: op-online.de

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