Frauen wirken mehr nach innen

Susanne Gaensheimer

Frankfurt - Ja, Susanne Gaensheimer empfindet sich als „starke Frau“. Die Leiterin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) ist da ganz selbstbewusst. Von Carsten Müller

Um schnell wieder abzulenken und von einer starken Frau in Robert Altmans Ensemblefilm „Pret à Porter“ zu erzählen, den sie kürzlich gesehen hat. Verallgemeinern will sie nicht, wenn es aber doch Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen gebe, dann sei es vielleicht die Tendenz, dass Frauen, denen sie eine „strukturell nachhaltige Herangehensweise“ bescheinigt, eher nach innen wirken als ihre auf Außenwirkung bedachten männlichen Kollegen.

Die 44-Jährige hat ihre Anfänge 2009 als MMK-Chefin selbst als intensive Beschäftigung mit den Gegebenheiten des Hauses erlebt, mit architektonischen, personellen und organisatorischen. „Ich nehme mir für solche Fragen richtig Zeit, gehe auch bei der Neubesetzung einer Hausmeisterstelle mit in die zweite Bewerbungsrunde.“

Männerdomäne in den Kunstmuseen

Erst in jüngster Zeit sei die Männerdomäne in den Kunstmuseen zunehmend aufgebrochen worden. Ellenbogen seien in dem Metier nicht wichtig, es gehe vielmehr um Durchhaltevermögen und Zähigkeit. „Man muss stark sein und bei den Dingen bleiben, die man selbst für das Haus für richtig hält.“

Susanne Gaensheimer ist in München geboren, hat dort und in Hamburg Kunstgeschichte studiert und über Bruce Nauman promoviert. Während ihrer Schul- und Studienjahre war Ungleichheit kein Thema. „Ich finde, es geht gar nicht so sehr um Mann oder Frau, sondern eher darum, wie sich Familie und Beruf in Einklang bringen lassen. Familie ist in meinen Augen der ausschlaggebende Aspekt.“

Im Umgang mit Frauen im Kollegenkreis, auf Sponsorenseite oder auch unter ihren Mitarbeiterinnen schätzt sie, dass man einander Verständnis, Solidarität, Bestärkung und Unterstützung entgegenbringt. „Nach dem Tod von Christoph Schlingensief war das ganze Team des Deutschen Pavillons auf der Venedig Biennale mit starken Frauen besetzt, allen voran die Frau des Künstlers“, sagt Gaensheimer, die 2011 als verantwortliche Kuratorin mit dem Goldenen Löwen der 54. Kunstbiennale ausgezeichnet wurde.

Weibliche Netzwerke

Weibliche Netzwerke wären im Kulturbetrieb nicht mehr so notwendig, der Internationale Tag der Frau aber schon: „Frauen haben nicht in allen Ländern die selbe Ausgangschance, ob aus kulturellen, sozialen oder politischen Gründen.“ Wichtig findet sie daher zum Beispiel Projekte zur Förderung von Unternehmerinnen mit Kleinkrediten in Afrika, während sich in westlichen Kulturen die Gepflogenheiten und Ansichten verändert hätten und einem solchen Gedenktag nicht mehr diese Bedeutung zukomme. Ambivalent steht Susanne Gaensheimer zur Frauenquote. Einerseits ist sie überzeugt davon, dass Kompetenz sich unabhängig vom Geschlecht durchsetzt, andererseits gebe es immer noch Branchen, in denen eine Regelung sinnvoll sein könne. „Ein komplexes Thema. Ich habe da keine eindeutige Haltung“, gibt sie zu.

Und in Sachen eigene Stärken bekennt sie dann doch: „Ich habe ein gut ausgeprägtes analytisches Vermögen, kann Stress aushalten und habe große Freude daran, neue Dinge zu entwickeln.“ Ihr ist wichtig, eine Atmosphäre der Offenheit zu schaffen. Unter ihren Mitarbeitern, die sich wohlfühlen und gern zur Arbeit kommen sollen, und natürlich in der Wirkung nach außen. „Ich glaube und hoffe, dass man mich als Person mit kooperativem und integrativem Verhalten wahrnimmt.“ Das gilt gleichermaßen für die Herren Kollegen in Frankfurt – auch wenn die es ihr nicht immer leicht machen.

Quelle: op-online.de

Kommentare