Julia Schoch liest in Frankfurter Romanfabrik

Freiheit bedeutet Ende aller Träume

„Ich wusste überhaupt noch nichts von der Literatur und der Liebe“, sagt die Erzählerin in Julia Schochs Roman „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“. Für die Verfasserin gilt der Satz nicht. In der Frankfurter Romanfabrik, wo sie ihr Werk vorstellte, erwies sich die Autorin als Kennerin ihres Stoffs und als glänzende Stilistin.

Angesiedelt ist diese melancholische Geschichte im vorpommerschen Eggesin – das nie genannt wird. Zu DDR-Zeiten ein riesiger Kasernenstandort, spiegelt die Stadt nahe der polnischen Grenze perfekt die innere Leere der namenlosen Protagonistin. Die Schwester der Erzählerin hat sich in den USA das Leben genommen und sich vorher letztmals mit dem Soldaten getroffen, mit dem sie vor der Wende eine Beziehung, später ein Verhältnis hatte.

Die intensive Schilderung von Körperlichkeit erinnerte den Hausherrn Michael Hohmann an Marguerite Duras. In der Tat lag der Gedanke an deren Welterfolg „Der Liebhaber“ in der Luft. Möglich wäre auch die Assoziation an Theodor Fontanes Ehebruch-Buch „Effi Briest“. Aber das Thema ist ein anderes. Es geht um das Ende aller Träume, wenn die Freiheit erreicht ist, und das Verschwinden eines Menschen. Der von der Kritik gelobte „Schoch-Sound“ wird dem gerecht. MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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