BOK-Salon 13

Fremde Vertrautheit

Friederike Caroline Bachmanns „Familienaufstellung“ mit wachsgetränkter Unterwäsche - Fotos: Gries

Offenbach - „Homebound“ nennen Friederike Caroline Bachmann und Marion Gabriel ihre Ausstellung in der Galerie Salon 13 des Bundes Offenbacher Künstler. Von Reinhold Gries

„Es geht ums Zuhausesein, das ebenso Geborgenheit verkörpert wie Gebundenheit“, definiert Bachmann, „das zeigen wir an spezieller Ausdeutung von Alltags- und Haushaltsgegenständen. “ Gabriel verweist dazu auf die österreichische Schriftstellerin Elfriede Gerstl, die schrieb: „Wer ist denn schon zu hause, wenn er bei sich ist/ wer ist denn schon bei sich, wenn er zu hause ist…“ Da ist gewollt, dass einem Bekanntes fremd vorkommt oder Fremdes bekannt.

Bachmanns Installation „Suppe auslöffeln“ aus zwei Stühlen, einem Tisch und von der Decke hängenden Transparentpapierstreifen mit der Permanentaufschrift „ausatmen - einatmen“ wirkt wie eine gerade verlassene Dichterecke. Ums Atmen und Energieströme geht es auch in Bachmanns Ganzkörperzeichnung, bei der aus runden Brüsten und dem „Wurzelchakra“ Lebensenergie strömt. Bachmanns intensive Beziehung zur Yoga-Lehre wird sichtbar. Daneben hält sie in „hellen Schatten“ Umrisse real existierender (eigener) Kinder fest, ohne sie wirklich festzuhalten. „Homebound“ bedeutet bei Bachmann auch, im lothringischen Haus zu sein, das sie - bis hin zum Dachboden - inspiriert. Denn dort finden sich auch Bordüren, die Bachmann in Wachs gießt und zur Krone formt. Oder sie stößt auf skurrile, spröde oder kitschige Alltagsobjekte, die sie in Glaskästen zu einer „Melange aus Porträt und Stillleben“ vereint.

Bei Wanderungen zwischen dem Gestern und Morgen entdeckt sie immer wieder Kreisförmiges, getreu dem Motto: „Runde um Runde nähere ich mich dem Größeren und komme dabei auf den Punkt.“ Ironisch auf den Punkt bringt sie in neunteiliger Installation eine „Familienaufstellung“ aus von der Decke hängenden, wachsgetränkten Unterhosen, Hemdchen und Büstenhaltern von Oma, Opa, Mama, Papa und Kind. Ums Große und Ganze geht es Bachmann auch bei der goldglänzenden „Schale des Lebens“, die Assoziationen, Wortketten und Zitate auf handbeschriebenen Papierstreifen offeriert.

Ohne Worte kommen die Objekte der Bildhauerin Marion Gabriel aus. Vom keramischen Löwenkopf-Terrinen-Prototyp einer Weidener Manufaktur ausgehend, formt sie zart pigmentierte, weiße oder graue Terrinen-Variationen aus Silikon und Wachs, durchbricht, verbiegt, reiht oder stapelt diese.

„Die Gefäße sind Zustandsbeschreibungen für Gefühle“, meint sie zu einer neunteiligen Arbeit auf quadratisch angeordneten Stelen. Niemals gibt Gabriel ihren Objekten Titel.

„Homebound“ von Friedrike Caroline Bachmann und Marion Gabriel bis 9. September in der BOK-Galerie Salon 13, Kaiserstraße 13, Offenbach. Geöffnet Mittwoch von 17-20 Uhr, Sonntag 15-18 Uhr

Offensichtlich geht es bei ihren „Homebound“-Skulpturen nicht nur um Gleichnisse für Urweibliches, sondern auch um Beziehungen, betrachtet man aneinandergeschmiegte, sich zuneigende oder einander abwendende Terrinen-Skulpturen. Verschlossener wirkt ihr cremefarbenes Konzentrat aus schleiflackimitierten Nachttisch- und Frisierkommoden-Schubladen, an denen 50er-Jahre-Griffe in Retro-Charme kristallisch glitzern.

Dass Gabriel Lebensgeschichte sammelt, sieht man auch bei Wandarbeiten mit verspiegelten Rauten-Tabletts für Schnapsgläschen und mit an den Ecken abgerundeten Frühstücksbrettchen. Daneben Fotoarbeiten zu Barbie-Puppen, Meckie, Mainzelmännchen und Mickey Mouse. In ganz eigener Sicht arbeiten die Künstlerinnen auch am großen Menschheitsthema: der Verbindung von Raum und Zeit.

Quelle: op-online.de

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