Freude an den Farben

Günther Förg, „An die Leine“, Teil einer Serie mit Ölfarbe übermalter Monotypien von 2009

Bad-Homburg - In den 80er Jahren brach der 1952 in Füssen geborene Günther Förg aus erstarrter Avantgarde aus, um Malerei neu zu entdecken, in großformatigen Serien auf Papier, Holz, Leinwand und Blei. Sein „Aufbruch der Farben“ setzt sich im Bad Homburger Sinclair-Haus frisch, undogmatisch, fast fröhlich fort. Von Reinhold Gries

Vibrierende Felder, unregelmäßige Gitter und fließende Streifen schlagen Töne zwischen Harmonie und Dissonanz an. Wie sorglos und „heftig abstrahierend“ Förg seine Freude am Setzen von Farben und Imaginieren von Bildräumen auslebt, irritiert, zumal einige übermalte Monotypien, Tuschzeichnungen, Pastelle und Aquarelle fast auf Komposition verzichten.

„Günther Förg – Aufbruch der Farben“, bis 30. Mai im Sinclair-Haus Bad Homburg. Geöffnet Dienstag 14 bis 20, Mittwoch bis Freitag 14 bis 19, Samstag/Sonntag 10 bis 18 Uhr

Der in Freiburg wohnende Förg geht seinen Weg. Wer sich auf die eigenartige Ikonografie und Kürzel einlässt, entdeckt die Freiheit seiner Kunst. Eine Gouache aus der Serie „Mostly Landscapes“ wirkt wie eine neoexpressive Umsetzung von Paul Klees „Villa R“. Landschaftliche Anmutungen scheinen abstrakte Ideen Kandinskys in neue Unbekümmertheit zu transferieren. Wie Förg rote neben grüne Farbinseln setzt, hat etwas vom Aufbruchsgeist der Seerosenbilder Monets. Dschungelhafte Zeichen knüpfen an Partituren Neuer Musik an. Während sich auf einigen Blättern Farbschwünge seismografisch verdichten, verlieren sich auf anderen skizzenhafte Tuschetexturen. Das alles, vor allem aber freigesetzte Energie der Farbe, löst Emotionen aus. „An die Leine“, so der Titel einer Serie mit Ölfarbe übermalter Monotypien, wird der Betrachter nicht genommen. Nicht in „Aller/retour“, einer Suite schwebend leichter Pastelle, nicht in der „Trilogie der Tatzen“ mit Malereien. So dicht wie transparent wirken Aquarelle auf Maschinenpapier, erstmals ausgestellt. Hat man sich in Klängen, Notationen, Kontrasten und Feldern der abstrakten Kompositionen freigeschwommen, in floralen wie landschaftlichen Assoziationen, wird deutlich: Sichtweisen und Bildwelten sind relativ. Wer will heute entscheiden, was morgen als klassische Moderne, Avantgarde oder Postmoderne gilt? Förgs 100 Arbeiten haben von allem etwas und doch eine klare Handschrift.

Quelle: op-online.de

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