Kapellmeister Erik Nielsen dirigiert die Simplicissimus-Oper in Frankfurt.

Früher Ruf zum Taktstock

Apfelwein mag er nur sauer gespritzt: Der amerikanische Dirigent Erik Nielsen im weiten Rund der Frankfurter Oper.

Schon als Dreijähriger fühlte er sich berufen. Denn Erik Nielsen, aus Iowa (USA) stammend, war es kindliche Lust, den Kirchenchor seiner Geburtsstadt mitzudirigieren.

Jetzt leitet der Frankfurter Opernkapellmeister den „Simplicius Simplicissimus“ von Karl Amadeus Hartmann (1905-1963). Premiere der Inszenierung von Christof Nel – eine Produktion der Staatsoper Stuttgart von 2004 – ist am Sonntag. Den Simpel verkörpert die Sopranistin Claudia Mahnke in einer Hosenrolle.

Die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs lässt der gebürtige Gelnhäuser Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinem 1669 veröffentlichten Roman den Simplicius durchleben. Von einem gläubigen Einsiedler aufgezogen, wird der junge Schafhirt nach dem Tod des Ersatzvaters zum Hofnarren einer marodierenden Soldateska. Regisseur Nel versetzt Grimmelshausens Fanal gegen Gewalt in die Entstehungszeit der Oper 1934/35, als Komponist Hartmann angesichts der braunen Machthaber den Weg in die innere Emigration angetreten hatte. Ein Lehrstück gegen den Krieg, Brechts epischem Theater nahe und in der Erstfassung einer solistischen Instrumentalbesetzung noch intensiver vermittelt.

Für Dirigent Nielsen eine echte Premiere, der 15 Musiker mit den Bühnenprotagonisten kurzschaltet. Hartmanns Musik bestehe zwar aus etlichen Zitaten, „die aber immer in seinen ureigenen klanglichen Kosmos eingebunden sind“, so der Kapellmeister, seit 2002 an der Oper Frankfurt. Indirekt sei das eine politische Aussage Hartmanns, der neben Johann Sebastian Bachs Choral „Nun ruhen alle Wälder“ vor allem an von den Nazis verfemte Musiker wie Prokofjew und Strawinsky erinnere. Da sei es wichtig, den emotionalen Kern herauszuarbeiten, um die Szenen nicht intellektuell zu überfrachten.

Auch komödiantische Momente hat dieses Antikriegsstück. „Legt man die sinfonische Latte an, so ist die Bankett-Szene gleichsam das Scherzo“, erläutert Nielsen. Zudem kann man in einer Nebenrolle als fürs höfische Zeremoniell zuständige Dame die ehemalige Stuttgarter Primaballerina Marcia Haydée erleben. „Und die hat noch immer eine unglaubliche darstellerische Kraft“, weiß der Dirigent. In der Titelrolle war Claudia Mahnke schon in Stuttgart zu sehen, ebenso wie Franz van Aken als Einsiedler, ehe beide ins Ensemble der Oper Frankfurt wechselten. „Viele Worte muss man da in den Proben nicht mehr machen“, so Nielsen mit hintergründigem Lächeln.

Das deutsche Repertoire hat der junge Dirigent fest im Blick. Zu seinen Lieblingskomponisten zählen Wagner und Tschaikowsky, aber vor allem Mozart sei sehr wichtig für seinen Werdegang, betont Nielsen, der Harfe und Oboe an der Juilliard School in New York und am Curtis Institute of Music von Philadelphia studiert hat und Karl Böhm sowie den ebenso legendären US-Dirigenten George Szell als Vorbilder nennt. Nach Europa kam er 2001 als Absolvent der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker. In Frankfurt fühlte er sich auf Anhieb daheim. Erinnert doch die Skyline an Kansas City, wo er seine Jugend verbrachte. Auf die Frage „Lieben Sie Apfelwein?“ kommt das „Aber nur sauer gespritzt“ wie aus der Pistole geschossen. Eingeplackt ist Erik Nielsen offenbar schon lange  ...

KLAUS ACKERMANN

Quelle: op-online.de

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