Fischerspooner

Futurismus vereint mit Broadway

Als 2001 mit dem Debütalbum der Strokes die Rockmusik paukenschlagartig zurückkehrte, spielte sich zugleich eine weitere Entwicklung ab, die sich als nicht minder folgenreich erwies.

Die gleichfalls aus New York stammenden Fischerspooner veröffentlichten ihr so schlicht wie doppelbödig „Number One“ genanntes Album, landeten mit der Nummer „Emerge“ einen Hit – und legten den Grundstein für eine Richtung, für die der Name Electroclash erst gefunden werden musste.

Die Show, mit der Fischerspooner im Frankfurter Mousonturm gastierten, ist auf Sänger, Tänzer und Texter Casey Spooner fokussiert. Warren Fischer, auf den Komposition und Programmierung zurückgehen, kommt selten für ein paar Tanzschritte aus dem visuellen Off seines seitlich platzierten Elektronikpults hervor.

Fischerspooner, eine etwa 20-köpfige Gruppe von Designern, Tänzern, Schauspielern und Künstlern aus der New Yorker Performanceszene, erheben den Anspruch, dass ihr Unternehmen in einer Kunstgalerie funktionieren soll wie in einer Poparena. Obwohl sie mit Synthiesounds aus den 80ern spielen, verwahren sie sich gegen eine Einordnung unter der Formel „Retro“. Sie rufen Andy Warhol als Zeugen auf und beziehen sich auf Marcel Duchamps Readymades. Die Musik erinnert an das kühle Klangbild der Pet Shop Boys.

Die Show, aus der in Umkehrung üblicher Prozesse das dritte Album „Entertainment“ hervorgegangen ist, bringt Futurismus und Broadway zusammen. Choreografin Vanessa Walters greift für Spooner und die vier flankierenden Tänzer Merkmale des Musicalrevuetanzes auf. Im Hintergrund laufen Probenbilder. Neben Workshopteilnehmern waren Mitglieder der Wooster Group beteiligt – Anleihen beim japanischen No-Theater gehen auf Anregungen von Mitbegründerin Kate Valk zurück. Vor der Bühne waren Choreograf William Forsythe sowie sein einstiger Star Steven Galloway in ausgelassener Tanzlaune zu beobachten.

Als Tanzmusik funktionieren die Hervorbringungen von Fischerspooner prächtig. Am Ende sind es die alten Kracher wie „Emerge“, auf die das Publikum mit der größten Begeisterung anspringt in der gut eine Stunde kurzen Show. Derartige Normalität mag im Sinne des Konzepts sein, das man nicht zwingend goutieren muss. Historische Fernsehaufnahmen aus der Raumfahrt der 60er Jahre allerdings muten doch retrofuturistisch an.

STEFAN MICHALZIK

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare