Gefeiert als Flegel vom Dienst

Frankfurt - Für Schöngeister und Freunde hintersinniger Pointen oder politischen Kabaretts ist Kurt Krömers aktuelles Programm „Der nackte Wahnsinn“ eine Tortur. Denn der Berliner mit dem Sinn fürs Grobe kalauert in einem Jargon, der Zartbesaitete erstarren lässt. Von Maren Cornils

Das deftige Berlinern ist längst zu Krömers Markenzeichen geworden, sprachliche Feinheiten sind nicht unbedingt sein Ding. Trotzdem, und das mag alle überraschen, die ihn zum ersten Mal sehen, ist der Berliner Grimme-Preisträger. Mehrfacher sogar!.

Beim Auftritt in der Alten Oper Frankfurt ist davon freilich nichts zu merken. Im Gegenteil. Der Underdog der Comedy-Szene stellt gleich in der ersten Viertelstunde klar, dass er sich vor allem in einer Disziplin auskennt: der Publikumsbeschimpfung. Mit Zu-spät-Kommern kennt er ebenso wenig Gnade wie mit Fotografen oder Zuschauern, denen sein martialisches Wutgebrüll zu laut ist. Aus der Fassung bringen lässt sich der Komiker aus dem „Vorort zu Polen“ auch von renitenten Zwischenrufern nicht.

Für alle, die immer noch nicht begriffen haben, dass Krömers Programm nicht unbedingt vor Inhalt strotzt oder auch nur annähernd so etwas wie einen roten Faden besitzt, gibt’s eine Kurzlektion in „political correctness“. Nach fünfminütigem Herumgetatsche an einer Zuschauerin, die tatsächlich den Mumm besitzt, sich auf die Bühne zu wagen, widmet sich Krömer mit jeder Menge Spott dem Telekom-Service.

„Der nackte Wahnsinn“ spielt genüsslich mit allen Tabus, die eine moderne Gesellschaft zu bieten hat. Schließlich ist Kurt Krömer spezialisiert auf Grenzgänge jedweder Art. Als Flegel vom Dienst widmet er sich ausführlich verschiedensten Körperflüssigkeiten auf Ekel-Niveau und erntet dafür nicht etwa Schmährufe, sondern Applaus.

Am erstaunlichsten ist jedoch, dass er es mühelos schafft, Zuschauer dazu zu bringen, sich für ihn zum Affen zu machen. Das Erfolgsrezept des Berliners ist dabei so einfach wie genial: Er bedient die kollektive Schadenfreude und schindet ganz nebenbei Minuten. Nach einer dreiviertel Stunde ist bereits Pause. Kein Wunder, schließlich ist es ganz schön anstrengend, mit einem Hauch von Nichts Geld zu verdienen.

Quelle: op-online.de

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