Gegen die Käuflichkeit

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Ich seh’ alles so verschwommen: Welches ist denn nun die verkaufte Braut?

„Bauer sucht Braut“ verrät ein Plakat auf der Bühne des Mainzer Staatstheaters, die Mutter von Hans und Wenzel schreibt hinzu: „für seinen Sohn“. Im Hintergrund das schwarzweiße Bild eines Bergpanoramas, das bereits Gelbstich angesetzt hat. Von Axel Zibulski

Ein verblasstes Idyll, dieses tschechische Dorf, in dem Regisseurin Tatjana Gürbaca ihre Neuinszenierung von Bedrich Smetanas komischer Oper „Die verkaufte Braut“, 1866 uraufgeführt, spielen lässt. Am rechten Rand steht eine Hochzeitstorte, die im Lauf des Abends gefleddert wird. Gürbaca lässt die deutsch gesungene, mit neuen Dialogen versehene Oper nicht glücklich, sondern tödlich enden.

Gegen die allgemeine Käuflichkeit: Fast drollig begehrt das Volk am Ende des ersten der drei Akte auf, wenn es diese Parole auf der Rückseite eines Scherenschnitts vom Kirchturm präsentiert. Verkauft wird Marie, verhökert aber auch Wenzel, Sohn des Großgrundbesitzers Micha. Er ist die Person, für die sich Gürbaca am meisten interessiert, er allein ist detailliert als Charakter gezeichnet.

Der Außenseiter stottert – ein Sprachdefizit, das ihn infantil mit seiner Handpuppe kommunizieren lässt. Selbst seine spielerische Grenzüberschreitung schlägt fehl: Als er für einen Wanderzirkus ins Tierkostüm schlüpft, erkennen ihn alle. Zum Schlussbild hat sich der Mainzer Wenzel erhängt, das Bergpanorama ist zum Kalenderbild mutiert.

So sehr sich Gürbaca um Wenzel sorgt, so schablonenhaft bleiben die anderen Personen dieser Tragödie im Gewand der komischen Oper: Als Strippenzieher wird der Heiratsvermittler Kecal von Hans-Otto Weiß ausgemacht, der mit Hans den Deal beim Bier abwickelt, das überhaupt zum Machtsignet avanciert – im Furiant-Tanz greifen die Damen des Chors zur Flasche. Mehr weibliches Aufbegehren ist nicht zu erwarten; auch nicht von Marie, die aus der gutgemeinten Intrige keinerlei Konsequenzen zieht. Hans, unerkannter Sohn des Großgrundbesitzers Micha, hat sie fintenreich an sich selbst verkauft, ohne dass es jemand gemerkt hätte. Natürlich wird Marie trotzdem zum Objekt – doch wie sie das findet, verrät die Regie nicht.

Weitere Vorstellung am 22. Juni; Wiederaufnahme am 21. September

Insgesamt neigen die ersten beiden Akte zur Statik auf der kargen Bühne (Marc Weeger). Durchgestanden wird etwa das bezaubernde Duett von Marie, zuverlässig von Susanne Geb gesungen, und Wenzel, einfühlsam von Alexander Kröner gegeben. Leben in die Bude bringt der durchs Parkett hereinpolternde Zirkus mit dem grandios parlierenden Jürgen Rust als Direktor im weißen Anzug (Kostüme: Silke Willrett), der die Grenze zwischen Bühne und Publikum aufhebt.

Bei der Premiere hatte Tenor Alexander Spemann, der als Hans attackiert und forciert, nicht seinen stärksten Abend. Anders das Philharmonische Staatsorchester, unter Andreas Hotz in so spritziger wie kultivierter Bestform. Am Ende Zustimmung für die musikalische Seite, einzelne Buhs für die Regie.

Quelle: op-online.de

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