Geistesverwandt mit Blauem Reiter

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Auch Andrea Plefkas Aquarellfiguren besuchen gern Ausstellungen.

„Ich arbeite im Spielraum zwischen Gewolltem und Zufall. Dazu bietet mir das Aquarellieren Gelegenheit.“ So lautet das Credo der 1959 in Offenbach geborenen Malerin Andrea Plefka. Fast 40 Aquarelle im Haus der Stadtgeschichte entfalten ihre eigene Atmosphäre – filigrane, tänzerisch bewegte Figuren, schwarz konturierte Menschenumrisse vor farbigen Flächen, Solitärbäume, Treppenstufen. Vieles ist schwer fassbar. Von Reinhold Gries

Plefka „stenografiert“ Menschen in beobachteten Situationen – beim Dünenspaziergang, in der Ausstellungshalle, beim Jazzkonzert, beim Stadtbummel. Eine neue Art Impressionismus, fern reiner Abstraktion. Nicht nur bei „Akt mit Rot“, „Das rote Kleid“ „Blüten“ oder „Sommerbild“ ist Plefka auf der Suche nach Schönheit. Bewegungen und Farbklänge sind oft nur angedeutet. Im Umgang mit Grundfarben und Formspielen ist Geistesverwandtschaft zum Blauen Reiter erkennbar. Aber Plefka lässt ihren Figuren Luft: „Ich reduziere Bildgegenstände auf Wesentliches, suche nach der richtigen Form. Wenn ich die gefunden habe, arbeite ich schnell in einem Zug.“

Antroposophische Bezüge lehnt Plefka ab, obwohl diese bei Betrachtung der Bilder ebenso auf der Hand liegen wie bei Titeln wie „Im Zauberwald“, „Aufstieg“, „Blüten im Licht“ oder „Auf dem Weg“. Man könnte es gemalte Poesie nennen – oder lyrische Ausdeutung des Lebenswegs.

Schaut man ihren künstlerischen Weg an, von der Ausbildung zur Produktdesignerin an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung zur Grafikerin und Illustratorin, die sich mit freier Malerei befasst, ist ihr Vorgehen schlüssig. Die Schwere ist gewichen, der Schlüssel zur Freiheit gefunden. In Aquarell-Etüden geht es um Rhythmus, Variation, Harmonie, Melodik. Das passt zur Querflötistin Plefka, die einst die Musikschule Rodgau mitbegründet hat. Musik macht sie jetzt mit Pinsel und Aquarellstift, den sie oft „anwässert“.

„Ansichtssache – Aquarelle von Andrea Plefka“, Haus der Stadtgeschichte Offenbach, Herrnstraße 61.

Geöffnet bis 25. Oktober Dienstag, Donnerstag, Freitag 10 bis 17, Mittwoch 14 bis 19, Samstag/Sonntag 11 bis 16 Uhr. Vernissage: Sonntag, 15 Uhr

Ihre Handschrift ist flächiger, ruhiger geworden, sucht mehr Tiefe. Bilder wie „Das Haus am See“, „Der Baum“ oder „Frei, Variation“ zeigen sie auf dem Weg zu weiterer Abstraktion und malerischer Komposition, die sie von seriellen Figurenbildern wegführen. Da wird ein Greifvogel zur Chiffre aus angedeuteter Schnabelspitze und Flügelfedern. Eine S-Kurve deutet einen Pferdekopf an, ohne den Tierkörper zu verifizieren. In Blütenbild-Partituren werden Formen aufgelöst, Farbflächen überspielt. Auf solchen Pfaden wandelten Kubisten wie August Macke und Franz Marc. Daran knüpft Plefka an.

Quelle: op-online.de

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