Geistreicher Erfinder

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Obwohl Zofe Colombina (Tanja Bahmani) es Diener Arlequino (Franz-Joseph Dieken) angetan hat, muss Lelio (Christopher Krieg) diesen etwas anschieben.

Auf zwei Wörter 20 Lügen? Dieser Sachverhalt lässt sich auch eleganter ausdrücken: Als „geistreiche Erfindungen“ bezeichnet Lelio die Unwahrheiten, die aus seinem Mund fließen, sobald er ihn öffnet. Von Markus Terharn

Der Tunichtgut im Gewand des Edelmanns umgarnt zwei Damen zugleich, gibt fremde Serenaden, Sonette und Spitzen als eigene aus und macht dies so hinreißend, dass er anfangs Erfolg hat. Mit „Der Lügner“ haben die Festspiele Heppenheim ihre beste Premiere seit Jahren gefeiert.
Das liegt zum einen an der Komödie von Carlo Coldoni nach Pierre Corneille, von den Festspielgründern Hans und Ingeborg Richter in ein geschmeidiges Deutsch gebracht. Dann an den Charakteren, die sich um den Titelhelden gruppieren. Vor allem aber an einem Ensemble, das prächtig harmoniert und unter Regisseur Martin Gelzers stimmiger Personenführung zu Hochform aufläuft.

Vor malerischer Venedig-Kulisse (Intendant Thomas Richter, Stephan Brömme) in opulenten Kostümen (Monika Seidel) zieht Hauptdarsteller Christopher Krieg alle Register seines Charmes. Herrlich zicken die begehrten Schwestern Rosaura (Eva Kruijssen) und Beatrice (Anna Kretschmer) einander an. Ihre Verehrer, der stürmische Ottavio (Sonderlob für Stefan Kiefer) und der schüchterne Florindo (Alexander Kreuzer), müssen ihren ganzen Mut aufbieten. Die Väter legen Fred Strittmatter und Berthold Toetzke als temperamentvolle Italiener an. Als Diener und Zofe turteln Franz-Joseph Dieken und Tanja Bahmani heftig.

Im begeisterten Publikum ist Schirmherr Roland Koch. Der Ministerpräsident mag Gefallen am zitierten Sprichwort über Geld finden: „Man muss es nur richtig zum Fenster rauswerfen – dann kommt es zur Tür wieder herein!“ Oder ist das gelogen?

Weitere Vorstellungen bis 5. September im Theater im Hof

Quelle: op-online.de

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