Geld hat man nie genug

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Hurra, gewonnen! Während Rudi (Heinz Harth) den Lotto-Sechser bejubelt, hält seine Helga (Ulrike Neradt) dies für einen Scherz. Foto:

Die perfekte Personenzahl für eine Komödie ist vier. Die perfekte Zahl im Lotto ist die Sechs. Die Wahrscheinlichkeit eines Volltreffers beträgt 1 zu 140 Millionen. Von Markus Terharn

Da ist es erfreulich, dass das Volkstheater Frankfurt mit Sabine Thieslers Stück „Lottoglück“, hessisch von Wolfgang Kaus, den Tippschein weitgehend richtig ausgefüllt hat. Die Kugeln zieht der in Hanau geborene, als Fernsehgesicht prominente Regisseur Luca Zamperoni. Damit zählt das Publikum zu den Gewinnern des vergnüglichen Abends!

Vater, Mutter, Tochter, Schwiegersohn: Dieses Quartett bildet eine Familienkonstellation, die vielen bekannt vorkommen dürfte. Polier Rudi, grantig und knauserig, bessert seinen Lohn mit Schwarzarbeit am Bau auf und denkt dauernd ans Geld. Wenn Gattin Helga mal was neu haben möchte, fragt er, ob das alte kaputt sei. Zum Glück fehlen ihm ein Enkel, den Tochter Susi ihm schenken möge, und der Sechser, den Lottofee Franziska Reichenbacher ihm bescheren soll. Dafür spielt er jede Woche dieselben Zahlen: Sein und Helgas Geburtstag sowie Omas Todestag.

Schwiegersohn die ideale Zielscheibe

Zu Höchstform läuft Rudi auf, wenn der Herr Schwiegersohn zu Besuch ist. Holger ist ein fauler Lehrer, wie er im modernen Märchenbuch steht. Obwohl recht jugendlich, plant er bereits seine Frühpensionierung. Er ist ideale Zielscheibe für Rudis Beamtenwitze und keilt selbst tüchtig zurück. Ihre Streitgespräche haben großen Wiedererkennungswert: Wer schafft/verdient mehr/weniger? Wer lebt auf Kosten des Steuerzahlers/betrügt das Finanzamt? Und wer will, fragt die Hausfrau, noch ein Würstchen?

Auf dem Spielplan bis 28. Mai

Kein Wunder, dass es kein nettes Grillfest gibt. Die Wende kann nur der Lottogewinn bringen – und der stellt sich endlich ein. Auch Nachwuchs hat sich angekündigt; und sei es, weil sich der besserwisserische Mathepauker bei der Periode seiner Liebsten verrechnet hat. Und damit taucht ein neues Problem auf: Wie lange reichen 1,4 Millionen, wenn die Harley Davidson bezahlt, dafür der Führerschein futsch ist? Eine Situation, die leider für den Anti-Offenbach-Kalauer mit dem OF-Kennzeichen herhalten muss, der hier immerhin passt. Pro Tag bleiben da keine 45 Euro ...

Als junges Paar gefallen Steffen Wilhelm und Verena Wüstkamp

Einmal Sparbrötchen, immer Sparbrötchen: Da erweist Rudi sich als wenig lernfähig. Es ist ein darstellerisches Kabinettstück, wie Heinz Harth den Griesgram gibt, ohne ihn unsympathisch erscheinen zu lassen, er babbelt Mundart mit Herz. Da hat Chansonette Ulrike Neradt als Gemahlin Grund, fröhlich zu Keyboardbegleitung zu trällern. Als junges Paar gefallen Steffen Wilhelm mit starken Sprüchen, Verena Wüstkamp mit schöner Schnute.

Zamperoni hat penibel Wert auf disharmonische Interaktion der Figuren gelegt. Obwohl sie auch mal eine kesse Sohle aufs Parkett legen in der von Rainer Schöne gebauten Spießerwohnung mit Terrasse, auf der es die Technik sogar regnen lässt. Sonderlob gebührt Bärbel Christ-Heß und Claudia Rohde für die Kostüme, namentlich für Harths Ausstaffierung mit Küchenschürze, Morgenmantel, Trainingsanzug und Motorradkluft.

Quelle: op-online.de

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