Genuss unter freiem Himmel

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Im Rüsselsheimer Altwerk geben sich namhafte Bands wie The Notwist und The Afghan Whigs ein Stelldichein.

Frankfurt - Das waren noch Zeiten, als auf dem Bieberer Berg vor und im Stadion Konzerte stattfanden. Da spielten Genesis auf ihrer „Wind & Wuthering“-Tour 1977. Von Detlef Kinsler 

1983 lockte der verstorbene Impresario Fritz Rau David Bowie mit seinem „Serious Moonlight“-Programm aufs Hochplateau, ein Jahr später folgte Bob Dylan. mit den Rodgau Monotones, Joan Baez und Santana vorneweg. Im Juni 1997 kehrte Bowie noch einmal zurück. Beim „Go Bang!“ rockte er die Bühne neben härteren Kalibern wie Korn, Rage Against The Machine und The Prodigy.

In Offenbach werden heute kleinere Brötchen gebacken. Aber das ist nicht ohne Charme. Schon im Mai zog es nicht nur die Offenbacher Fans von elektronischer Musik zu „See Us There!“ in den Leonhard-Eißnert-Park. Der Verein „Musik im Park“ bietet seit 2006 klassische Konzerte für die ganze Familie und Flanier- und Picknick-Konzerte im Dreieich-, Büsing- bzw. dem Rumpenheimer Schlosspark an.

Ein Familienort ist auch der Hafen 2, nur kommt man dort dem Rock’n’Roll beträchtlich näher. Seit dem Umzug im Mai 2013 können die Besucher am Nordring erstmals Konzerte im schönen Rund um die Flussbühne am Main und direkt an der Hafeneinfahrt genießen. Da spielen die Musiker dann vor der Kulisse vorbeiziehender Schleppkähne und Ausflugsdampfer. Wer auf die Website des Hafen 2 geht, kann sich daran orientieren, welche Auftritte bei freiem Eintritt angeboten werden. Die gibt es meist sonntags um 16 Uhr und bei schönem Wetter unter freiem Himmel. Mit Streichelzoo, Sandflächen, Erholungswiese und Gastronomie (leckerer Kuchen, heißer Tipp: Quittenschorle zum Handkäsbrot mit frischem Schnittlauch) sind attraktiv für Groß und Klein.

Potpourri für alle Sinne

„Summer in the City“ lockt in den Palmengarten.

Gleich sechs Wochen lang locken die Burgfestspiele Dreieichenhain vom 1. Juli an auf das Gelände der pittoresken Burg Hayn. Viel Musik gibt es da, vieles war schnell ausverkauft. Karten gibt es aber noch für die A-cappella-Künstler Maybebop (10.7.), Rebekka Bakken & hr-Bigband (19.7.), Anna Depenbusch (20.7.) und Max Prosa (15.8.). Ein Highlight unterm Bergfried ist „Jazz in der Burg“ (26.-27.7.) mit einer stilistischen Bandbreite von den Frankfurt Swing Allstars mit Hugo Strasser bis zur Funk- und HipHop-inspirierten Crossover Band Brixtonboogie. Ebenfalls von den Bürgerhäusern Dreieich organisiert wird das „Maislabyrinth“ im Ortsteil Götzenhain. Beim „Potpourri für alle Sinne“ steht neben Kabarett und Literatur auch Musik auf dem Programm im luftigen kleinen Zelt - auch mit lokalen Künstlern wie Sabine Fischmann & Ali Neander sowie Wolf Schubert-K. & The Sacred Blues Band in der Zeit vom 19. Juli bis 7. September.

Vom 18. bis 20. Juli gastieren 37 Bands beim Jazzfest Idstein.

Eine ebenso schöne Radtour wie die nach Götzenhain ist der Ausflug ins Erholungsgebiet Steinbrüche in Mühlheim-Dietesheim mit seinen bizarren Felsformationen und tiefblauen Seen. Hierhin lädt die Artificial Family jährlich zum „Steinbruch Festival“ ein. Bei der 22. Auflage ab 25.7. sind auch hier Local Heroes wie Borgenine und die Company Of Blues, aber auch Bands aus Köln (die Reggae/Ska/Latin-Formation Six Nation) und Hamburg-Altona (Der Fall Böse) reisen an zum beliebten kleinen Festival. Nur einen Steinwurf weit entfernt und über den Wehrsteg an der Mühlheimer Schleuse zu erreichen ist das Amphitheater beim Schloss Philippsruhe in Hanau. Unter der imposanten offenen weißen Zeltdachkonstruktion kann man zwischen dem 31.7. und 28.9. so einige regionale wie nationale und internationale Big Names erleben, Shantel und Wirtz aus Frankfurt, BAP, Helge Schneider und Dieter Thomas Kuhn sowie alte Helden wie Ex-Supertramp-Sänger Roger Hodgson (3.9.) und Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore, der mit seiner Muse Candice Night als Blackmore’s Night höfische Musik als Renaissance Rock interpretiert.

Youngster und Oldies

Gut 65 Kilometer flussabwärts fließt der Main in den Rhein und Mainz lockt mit seinem „Summer In The City 2014“. Statt Zeltfestival im Volkspark werden da inzwischen attraktive Spielstätten wie die Zitadelle über der Stadt und die Nordmole im Zollhafen beschallt. Auch dort sind - neben Youngstern wie Katzenjammer, Max Herre und Sportfreunde Stiller - Oldies but goldies am Start, die noch Karten verkaufen wie Elton John (19.7.), Neil Young & Crazy Horse (28.7.), Patti Smith (11.8.) und Eric Burdon (29.8.).

Schwingt bei den letztgenannten Zusammenkünften nicht nur ein Hauch Nostalgie mit, sind die Programme beim „Phonopop“ am 11. und 12.7. in Rüsselsheim und bei „Folklore014“ im Kulturpark in Wiesbaden up to date und zukunftsorientiert. In der Opelstadt kann man Bands wie The Notwist, Whomadewho und The Afghan Whigs im Industrie-Ambiente des Altwerkes sehen, rund um den Schlachthof der Landeshauptstadt führen Moop Mama, Egotronic und Judith Holofernes das Künstlerfeld an. Viktor And The Blood, Birth Of Joy, Zebrahead und Selig sind u.a. beim kleineren „Trebur Open Air“ (1.-3.8.) dabei, das schon seit 1993 die Fans in den Kreis Groß Gerau pilgern lässt. Spät im September sind beim „Soundgarden Festival“ in Bad Nauheim viele junge deutsche Bands (OK Kid, I Hate Sharks, Killerpilze) im Goldsteinpark.

Zurück am Main. Da ist auf die Jazzinitiative Frankfurt Verlass. Sie gestaltet auch weiterhin die älteste Open-Air-Jazzreihe weltweit: „Jazz im Palmengarten“. Der in Offenbach lebende Schlagzeuger und Frankfurter Jazzstipendium-Preisträger Uli Schiffelholz gab mit seinem Quintett vergangene Woche den Startschuss für die sechs Donnerstag-Konzerte bis 28. August. Mit Tabla-Virtuose Trilok Gurtu am 17.7. ist ein großer Star am Start, der sein Album „World Of Trumpets“ präsentiert.

Freiluft-Termine mit Volksfestcharakter

Markus Gardian kuratiert für Frankfurts Mousonturm den „Summer In The City“ mit fünf Popkonzerten im Palmengarten und Protagonisten wie William Fitzsimmons (29.7.), Neneh Cherry (5.8.), Poliça (12.8.), Blixa Bargeld & Teho Teardo (19.8.) und die Uraufführung von „Die Vergessenen“ von King Rocko Schamoni & dem Orchester Mirage (26.8.). World-Music-Liebhabern bleibt nun nur der Weg nach Aschaffenburg zum „Afrika-Karibik-Festival“ (14.-17.8.). „One race...human!“ heißt es da auf dem Festplatz am Main mit Weltbasar, Essensmeile, Chill Out & Beach-Area und viel Musik - neben Superstar Wyclef Jean (The Fugees) viele deutsche Popstars à la Samy Deluxe, Afrob und Gentleman.

Bleiben die Freiluft-Termine mit Volksfest-Charakter. Dabei ist die „Sommerwerft“ dank der charmanten Unplugged Music im kuscheligen Beduinenzeit (18.7. bis 3.8.) der szenigste Event. Frankfurts größte Gartenparty „Stoffel“ feiert nach dem „Best of...“ zum 10. Geburtstag 2013 ab 18.7. einige Premieren im Günthersburgpark. Das Museumsuferfest am letzten August-Wochenende hat viele Anlaufstellen für Musik unterschiedlichster Genres. Ein großes Spektakel gibt es von 18. bis 20. Juli beim „22. Open Doors“ in Neu-Isenburg mit mehr als 65 Bands und Künstler in 18 Locations. Nicht zu vergessen das am Wochenende beginnende Rheingau Musik Festival mit über 170 Konzerten aus Klassik, Jazz und Pop an außergewöhnlichen Orten.

Quelle: op-online.de

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